{"id":1396,"date":"2019-03-14T20:52:38","date_gmt":"2019-03-14T19:52:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/?page_id=1396"},"modified":"2019-03-14T21:00:14","modified_gmt":"2019-03-14T20:00:14","slug":"auf-reisen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/trans\/tipps-hinweise-praktisches\/auf-reisen\/","title":{"rendered":"Auf Reisen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn eine amtliche Vornamens- und\/oder Personenstands\u00e4nderung noch nicht erfolgt ist, muss trotzdem auf jeden Fall das Bild im Ausweis dem aktuellen Auftreten entsprechend. Denn das ist es, was schlussendlich haupts\u00e4chlich kontrolliert wird, n\u00e4mlich ob Physiognomie (Aufbau, Geometrie etc.) des Gesichts und andere Merkmale mit denen der Person \u00fcbereinstimmen, die sich in der Kontrolle pr\u00e4sentiert. Ist das erkennbar gegeben, dann kann kaum noch etwas passieren. Ist das nicht erkennbar, dann stellt dies einen begr\u00fcndeten Zweifel bei der Identit\u00e4tsfeststellung dar und kann in der Folge zu Problemen f\u00fchren, je nachdem wie stark die Diskrepanz ist.<\/p>\n<p>Beispiel dazu von &#8222;meinem Mann&#8220; &#8211; das Passfoto war ohne Bart. Zwischendurch hatte ich mal einen mehr oder weniger Vollbart und reiste so in die USA. Die meisten Kontrollen waren unproblematisch, doch ein TSA (Transport Security Agency) Mensch schaute mich dann doch sehr ernst an und meinte &#8222;Seriously!?&#8220;. Was er meinte war, dass man mich eben auf dem Passbild kaum noch erkannte. Also ganz wichtig, das Bild im Ausweis muss dem aktuellen Erscheinungsbild so nahe wie m\u00f6glich kommen, damit sind die meisten Probleme bereits beseitigt.<\/p>\n<p>Ticketbuchungen und ggf. Visa immer und ausschlie\u00dflich auf den amtlichen Namen buchen. Tut etwas weh, aber das ist der einzige Weg, Probleme zu vermeiden. Im Zweifelsfall nehmen die einen schlicht nicht mit und man hat selbst den Schaden. Der Fluggesellschaft oder den Sicherheitsleuten ist es v\u00f6llig egal, ob Du mitfliegst oder nicht &#8211; Dir aber nicht! Also lieber diesen Makel in Kauf nehmen, als nicht reisen zu k\u00f6nnen. Zudem sehen nur eine Hand voll Leute dieses Ticket, die Hunderte anderen am Flughafen oder im Flugzeug, am Hafen und auf dem Schiff etc. sehen Dein Ticket nicht, die wissen das nicht und werden das auch nie erfahren.<\/p>\n<p>Bei Kontrollen zur Ein- und Ausreise interessiert die Beamten Deine Erscheinung in der Regel nicht. Schau Dir mal Leute auf der Stra\u00dfe an und was f\u00fcr schr\u00e4ge Gestalten da unterwegs sind. Alle diese und noch schr\u00e4gere reisen jeden Tag, ein und aus in alle m\u00f6glichen L\u00e4nder. Die Grenzbeamt_innen sehen dieses Wirrwarr jeden Tag und ich glaube, die kann man mit nichts wirklich schockieren.<\/p>\n<p>Was die aber sehr wohl bemerken und worauf sie auch ganz besonders achten ist, wenn nicht aufkl\u00e4rbare Widerspr\u00fcche entstehen. Wenn Deine Gestalt m\u00e4nnlich aussieht, in Deinem Pass aber W steht, aber trotzdem das Bild stimmt, dann ist das wieder OK, das Bild &#8222;heilt&#8220; den scheinbaren Widerspruch zwischen m\u00e4nnlichem Erscheinungsbild und weiblichem Eintrag &#8211; oder umgekehrt. Und au\u00dferdem, was ist schon &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; und was ist &#8222;weiblich&#8220;? Ist das Bild widerspr\u00fcchlich, dann m\u00fcssen die Beamt_innen annehmen, dass dies der falsche Ausweis ist und dann wird es wirklich sehr sehr unangenehm.<\/p>\n<p>Kurz bis hierher zusammengefasst: Personenkontrollen mit Identit\u00e4tsfeststellung sind unproblematisch, wenn im amtlichen Ausweisdokument ein aktuelles Bild ist.<\/p>\n<p>Bei Flugreisen (und teils inzwischen auch bei Zug- und Schiffsreisen) kommen noch ein paar andere Kontrollen hinzu. Zuerst das Einchecken. Meiner Erfahrung nach gar kein Problem, dem Personal beim Check-In ist es erstaunlich egal, wer da vor denen steht, noch _nie_ hat es da bei mir irgendwelche Probleme gegeben, nichteinmal R\u00fcckfragen, nichts. Eher im Gegenteil gab es ein\/zwei s\u00fc\u00dfe Momente, doch davon sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Etwas unangenehmer k\u00f6nnen die Sicherheitskontrollen gerade an Flugh\u00e4fen sein, zun\u00e4chst der Detektor. Inzwischen werden an vielen Flughafen K\u00f6rperscanner eingesetzt. Diese Ger\u00e4te senden eine Art Radar aus, welches bis zur K\u00f6rperoberfl\u00e4che vordringen und dabei Fremdk\u00f6rper identifizieren soll. Um vorzugeben, was &#8222;normal&#8220; und was eventuell Fremdk\u00f6rper ist, muss das Sicherheitspersonal der Maschine sagen, ob da Mann oder Frau in dem Scanner steht, denn das bedingt ggf. andere k\u00f6rperliche Merkmale. F\u00fcr trans* Personen kann das nun etwas kompliziert werden, denn die Bediener_innen dieser Maschinen sehen nur die Person vor dem Scanner, nicht aber die Papiere, d.h. sie m\u00fcssen anhand des Erscheinungsbilds raten, ob es da eher eine Frau oder ein Mann steht.<\/p>\n<p>Trans* m\u00e4nnliche Personen werden in der Regel kein Problem haben, sollten aber soetwas wie Packer oder Epithesen vor der Sicherheitskontrolle besser ablegen und im Handgep\u00e4ck verstauen. Diese Hilfsmittel w\u00fcrden sonst leicht als Fremdk\u00f6rper identifiziert und Fragen aufwerfen, denen man sich in Mitten von vielen anderen Reisenden nicht unbedingt stellen m\u00f6chte. Auch dickere und festere Binder k\u00f6nnten als Fremdk\u00f6rper erkannt werden. Trans* weiblichen Personen ohne erfolgte geschlechtsangleichende OP kann es nun passieren, dass im Schritt etwas als &#8222;zuviel&#8220; erkannt wird und ebenfalls zu Fragen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Regel Nr. 1: Sicherheitspersonal versteht keinerlei Spa\u00df! Die Typen sind beinhart, mit denen kann man nicht reden (im Sinne von \u00fcberreden) und schon gar nicht von irgendetwas \u00fcberzeugen. Grundsatzdiskussion wie &#8222;Aber ich bin Mann (oder Frau) und sie haben das zu akzeptieren!&#8220; sind hier v\u00f6llig fehl am Platz und f\u00fchren nur und ausschlie\u00dflich zu noch mehr \u00c4rger und im Zweifelsfall zum Rauswurf, denn: Im Zweifelsfall haben die (Haus-)Recht.<\/p>\n<p>Regel Nr. 2: Ehrlich sein, auch wenn es schmerzt. Ja, nat\u00fcrlich wollen wir gerne so akzeptiert und gelesen werden, wie wir dies gerne m\u00f6chten. Doch wenn diese Sicherheitsleute, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, Zweifel anmelden, dann m\u00fcssen wir dies aktiv und offen aufkl\u00e4ren. Ein beharren auf irgendwelchen Rechten hilft in dieser Situation gar nicht. Wenn die also feststellen, dass da irgendetwas nicht stimmen k\u00f6nnte, dann sei so ehrlich und sag offen, dass Du trans* bist und das es deshalb diese Unstimmigkeit geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Regel Nr. 3: Wenn es an Ort und Stelle nicht aufzukl\u00e4ren ist und bevor die Sache eskaliert, verlange eine Pr\u00fcfung in einem getrennten Raum (engl. &#8222;private screening&#8220;). Das ist eigentlich immer m\u00f6glich. Die Sicherheitsleute gehen dann mit Dir in einen getrennten Raum, weg aus der Menge der anderen Reisenden und dann kann alles in Ruhe aufgekl\u00e4rt werden &#8211; denke an Regel Nr. 2 &#8211; ehrlich sein! Du hilfst weder Dir noch denen, wenn Du Informationen verschweigst &#8211; Du bist trans*, so ist das eben.<\/p>\n<p>Regel Nr. 4: Behalte die Nerven. Den Sicherheitsleuten ist nicht daran gelegen, gerade Dir Schwierigkeiten zu machen. Die machen auch nur ihren Job. Je ruhiger und ehrlicher und offener Du bist, desto eher ist alles gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Regel Nr. 5: Du siehst die Typen vermutlich nie wieder, also vergiss es! Egal was dort passiert und was die nun \u00fcber Dich wissen, schluck&#8217;s runter. Die interessiert das nicht die Bohne und Du siehst die vermutlich in Deinem Leben nie wieder. Es kann Dir v\u00f6llig egal sein, siehe Regel Nr. 4. Ich wei\u00df, das ist oft leichter gesagt als getan. Versuch es dennoch.<\/p>\n<p>Und hier noch ein paar pers\u00f6nliche Erfahrungen und Anekdoten von mir dazu.<\/p>\n<p>Im Europ\u00e4ischen Ausland ist das alles gar kein Problem. Meist gibt es gar keine Kontrollen und wenn dann nur beim Check-In. Seit Jahren habe ich den neuen Namen als K\u00fcnstlernamen eingetragen, weshalb ich mir in Europa die Freiheit nehme, auch Tickets darauf zu buchen, bisher ohne Probleme. Wenn ich den K\u00fcnstlernamen nicht im Ausweis h\u00e4tte, w\u00fcrde ich das aber wohl nicht machen und nur den amtlichen Namen verwenden.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren war ich einige Male auch in den USA. F\u00fcr die Einreise muss man sich zuvor \u00fcber ein online Portal registrieren (ESTA) und auch dort Passnummer etc. angeben. Die USA sind recht pingelig bei der Einreise, und mit den US Grenzern ist in der Regel nicht gut Kirschenessen, daher nehme ich dort grunds\u00e4tzlich nur die amtlichen Angaben, also auch den alten Namen. Auch das Flugticket buche ich dann auf den alten Namen, da die Einreisedaten mit den Flugdaten abgeglichen werden und es sonst zu Unstimmigkeiten kommt (s.o.).<\/p>\n<p>Bisher hat das zu keinerlei Schwierigkeiten gef\u00fchrt. Ich wurde auch bisher stets mit Frau oder Ma&#8217;am angesprochen, egal was im Pass bzw. auf dem Ticket stand. Bis auf die letzte Einreise in San Francisco, der bl\u00f6de Grenzer gab mir meine Papiere zur\u00fcck mit einem &#8222;Sir.&#8220;. Das war das erste mal, von inzwischen wohl einem Dutzend Ein- und Ausreisen in\/aus den USA. Ich glaube auch, dass er das absichtlich gemacht hat, wohl wissend, dass er mich damit verletzt. Aber was soll&#8217;s? Soll ich mich dar\u00fcber aufregen? Mit ihm anfangen zu diskutieren? Nein. Ich pfeiff&#8216; drauf, ich sehe den in meinem Leben vermutlich nie wieder. Mein Anliegen war die Einreise in die USA und ich war nun drin, fertig.<\/p>\n<p>Inzwischen war ich so auf diversen Inlandsfl\u00fcgen sowie in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien, Island (Zwischenstop in die USA), England (Zwischenstop von den USA), USA und China. Alles reichlich unproblematisch, auch China.<\/p>\n<p>F\u00fcr China braucht man ein Visum. Das Visum kann man entweder \u00fcber einen Visumsdienst bekommen (kostet nur m\u00e4chtig extra) oder pers\u00f6nlich bei einer der Visumsstellen. Ich war dazu pers\u00f6nlich in Frankfurt, v\u00f6llig unproblematisch. Zum Antrag muss man ein Bild abgeben, habe ich auch brav gemacht und zwar ein aktuelles. Interessiert sich kein Mensch f\u00fcr. Die kassieren die Geb\u00fchren (die saftig sind) und sp\u00e4ter kann man den Pass abholen.<\/p>\n<p>Die Einreise in China ist gleicherma\u00dfen unproblematisch. F\u00fcr Chinesen sehen die &#8222;Langnasen&#8220; vermutlich alle \u00e4hnlich &#8222;anders&#8220; aus, so wie uns manchmal &#8222;die Chinesen&#8220; gleich erscheinen (bevor hier ein Shitstorm entsteht, nein, ich meine das nicht diskriminierend und inzwischen kann ich Chines_innen von Koreaner_innen und Japaner_innen mit gut 80% Trefferwahrscheinlichkeit auseinanderhalten; das braucht einfach viele Testexemplare). Die wenigen Westler_innen fallen in China inmitten der vielen vielen Chines_innen also ohnehin auf und eine 1,87m gro\u00dfe westliche Frau erst recht. Das ich angeschaut werden w\u00fcrde, war also klar.<\/p>\n<p>Chinesen sind recht neutral, habe ich den Eindruck. Westler_innen genie\u00dfen einen gewissen Sonderstatus, weil sie eben ohnehin &#8222;anders&#8220; sind, also f\u00e4llt &#8222;noch mehr anders&#8220; dann nicht noch mehr auf. Welches Geschlecht ein westlicher Vorname hat, k\u00f6nnen die meisten dort vermutlich auch nicht beurteilen, von daher ist das auch kein Problem (und wenn man sich die westlichen Namen anschaut, die sich Chines_innen zur Kommunikation mit Westler_innen selbst geben, dann wird einem klar, dass einige offenbar von westlichen Namenskonventionen wirklich keine Ahnung haben; kein Vorwurf, reine Feststellung). Auch hier gilt wieder, solange das Passbild mit der Person \u00fcbereinstimmt, ist alles kein Problem.<\/p>\n<p>Niedlich war dann das letzte mal auf dem Flughafen von Shenzhen &#8211; oh, zuvor noch, in der U-Bahn wurde ich ein paar mal von Chinesen auf meine Gr\u00f6\u00dfe angesprochen: &#8222;Oh, tall women!&#8220; (&#8222;Oh, gro\u00dfe Frau!&#8220;) Die U-Bahnen sind aber auch verflixt niedrig, ich muss mich beim Ein- und Aussteigen etwas b\u00fccken und bin ein paar mal mit dem Kopf an die Haltestangen geknallt. Mit anderen Worten, bei der niedrigen Decke wirke ich dann (f\u00fcr die) noch viel gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zum Flughafen, erste Verwirrung beim Check-In. Ich wei\u00df nicht genau, was da passierte, aber ich glaube die haben verzweifelt in den Passagierdaten nach Frau Faerber gesucht, aber keine gefunden. Das dauerte so 10 Minuten, wildes Getuschel auf Chinesisch, bis sie endlich eine Erleuchtung zu haben schienen und ich meine Boardkarte bekam. Probleme? Nein, es war offenbar eher den Leutchen beim Check-In peinlich, dass es solange dauerte &#8211; und sie nicht gut genug Englisch konnten, um mir zu sagen, was das Problem war.<\/p>\n<p>China ist allgemein ein nicht gerade besonders progressives Land. Vielmehr legt man wert auf Produktivit\u00e4t und, f\u00fcr ein angeblich kommunistisches Land im ersten Augenblick etwas ungew\u00f6hnlich, Geld verdienen! Alles dreht sich darum, irgendetwas zu handeln, China war und ist ein Land und Volk von H\u00e4ndlern. Shenzhen bildet hier an einigen Stellen eine erstaunliche Ausnahme, weil es doch progressive Ans\u00e4tze hat. In der gesamten Stadt gibt es nur noch elektrische Linienbusse (und die Stadt ist verdammt gro\u00df! Alleine 12 Millionen Einwohner im Stadtgebiet!), \u00fcber 50% der Taxis sind elektrisch, ein wirklich tolles U-Bahn Netz (und spottbillig). In den meisten U-Bahnen ist der erste und letzte Wagon f\u00fcr Frauen reserviert &#8211; nett! Und nat\u00fcrlich in pink, nuja.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Flughafen, auch hier gab es einen extra Security Check f\u00fcr Frauen &#8211; optional, also einen gemischten und einen nur f\u00fcr Frauen, wenn man dies wollte. Fand ich irgendwie auch charmant. China hat f\u00fcrchterlich viele Menschen und die wollen alle irgendwie besch\u00e4ftigt werden. Daher findet man in China Arbeitspl\u00e4tze, die es so bei uns nicht geben w\u00fcrde. Hier am Flughafen gab es dann also eine nette Dame vor dem Security Check, die freundlich die Damen auf den extra Security Check f\u00fcr Frauen hinwies. Mehr nicht tat sie nicht. Nur das, den ganzen Tag lang (Traumjob, oder?).<\/p>\n<p>Die Dame wies also auch mich freundlich zur Damen Security, nett! Also ging ich dorthin. Vor dem Security Check noch einmal Kontrolle der Papiere, Pass und Boardkarte. Wie oft in China haben die Security Leute milit\u00e4risch anmutende Uniformen und so sa\u00df dort am Eingang eine eher martialisch aussehende Dame und neben ihr eine Dame in zivil. Sie nahmen meine Papiere, sahen mich an, sahen in die Papiere, tuschelten etwas, sahen mich an, sahen in die Papiere, bl\u00e4tterten irgendetwas im Computer nach, tuschelten wieder etwas (auf Chinesisch, was ich bis auf drei Worte bis heute nicht verstehe), sahen in die Papiere, wieder auf mich, die eine sagte der anderen nur noch kurz etwas und ich wurde weiter gewunken. Ganz offenbar hatten sie bemerkt, dass da ein M in Pass und den Passagierdaten stand, aber ein W vor ihnen. Irgendein weiteres Problem? Nein.<\/p>\n<p>Also wenn ich eines raten kann, dann ist es, cool bleiben. Niemand will uns etwas B\u00f6ses, die machen auch nur ihren Job und mit etwas gegenseitigem Verst\u00e4ndnis klappt das alles ganz problemlos.<\/p>\n<p>In letzter Zeit geht mir das alles aber auch zunehmend auf die Nerven, keine V\u00c4\/P\u00c4 zu haben. Ich erlaube mir schonmal Flugtickets auf &#8222;Frau &lt;alter Vorname&gt; Faerber&#8220; zu buchen. Hotelbuchungen mache ich in der Regel auf den neuen Vornamen, Hotels sind da eher tolerant. In vielen Hotels muss man auch Passnummer und sowas angeben, doch das wird kaum kontrolliert, also ob Passname und eingetragener Name identisch sind. Und wenn, dann k\u00f6nnte ich auf den K\u00fcnstlernamen verweisen &#8211; das ist f\u00fcr mich eine wirkliche Erleichterung gewesen. Und wenn nicht, meine G\u00fcte, dann tr\u00e4gt man eben den Passnamen ein, was soll&#8217;s.<\/p>\n<p>Ich fahre auch noch mit meinem uralten rosa F\u00fchrerschein durch die Gegend, auf dem Bild darin war ich zarte 16 Jahre alt (heute bin ich, oh G\u00f6ttin, fast dreimal so alt)! Der l\u00e4uft zwangsl\u00e4ufig auch noch auf den alten Namen (was das Bild auch nicht besser macht). Letztes Jahr war ich mit all dem Kram f\u00fcr fast drei Monate in den USA unterwegs, f\u00fcnf oder sechs mal einen Mietwagen \u00fcbernommen, diverse inl\u00e4ndische Fl\u00fcge etc. &#8211; gar kein Problem, obwohl mein Pass und F\u00fchrerschein auf den alten Namen laufen, die Kreditkarte aber auf den Neuen etc.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert sich aber alles schlagartig, wenn wir selbst unkooperativ werden. Ich sagte es schon, auf vermeintlichen Rechten zu beharren, Grundsatzdiskussionen anzufangen oder soetwas wird in den seltensten F\u00e4llen f\u00f6rderlich sein, sondern nur zu noch mehr \u00c4rger und noch mehr Frust f\u00fchren.<\/p>\n<p>Bestes Beispiel daf\u00fcr war der Fall einer trans* Frau in Florida vor ein paar Jahren (ich glaube 2015?). An der Flughafen Security wurde sie als Frau gelesen, beim K\u00f6rperscanner fiel aber in ihrem Schritt etwas auf, was da vermeintlich nicht hingeh\u00f6rte. Anstatt sich zu erkl\u00e4ren hat sie versucht es weg zu diskutieren. Das ganze ist entsprechend eskaliert, sie verweigerte die Aufkl\u00e4rung (und Untersuchung), beharrte auf ihre Rechte den Flug zu bekommen und ihre Rechte als Frau etc. etc. Ende vom Lied war, sie erzeugte einen Twitter Shitstorm, weil sie live vom Flughafen \u00fcber trans* Diskriminierung durch die TSA twitterte, verpasste ihren Flug und wurde vom Flughafengel\u00e4nde verwiesen.<\/p>\n<p>Zwei Worte h\u00e4tten sie &#8222;gerettet&#8220;: Private Screening. Dort h\u00e4tte sie erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, dass sie trans* ist und eben (noch) keine OP hatte, sie w\u00e4re h\u00e4ndisch abgetastet worden und das w\u00e4re es gewesen. Die TSA hat sogar eigene Richtlinien f\u00fcr reisende trans* Personen, um genau solche Situationen zu vermeiden.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch: Hormone. Gerade auf l\u00e4ngeren Reisen werden trans* Personen, die eine HET machen, ihre Hormone mitnehmen wollen. Zun\u00e4chst w\u00fcrde ich diese auf jeden Fall ins Aufgabegep\u00e4ck tun, nicht ins Handgep\u00e4ck. Das Handgep\u00e4ck wird deutlich intensiver kontrolliert als das Aufgabegep\u00e4ck. Zweitens, wenn man etwas mehr dabei hat, bspw. f\u00fcr eine l\u00e4ngere Reise, empfiehlt es sich eine schriftliche Verschreibung der \u00c4rzt_in dabei zu haben, am besten auch in Englisch (wird international am meisten verstanden). Bei den Hormonen handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente, die Einfuhrkontrollen unterliegen. Ist ein n\u00f6tiger pers\u00f6nlicher Gebrauch nachweisbar, eben durch die Verschreibung, ist das in aller Regel kein Problem, vor allem mit Hormonen f\u00fcr trans* Frauen (\u00d6strogene, Gestagene).<\/p>\n<p>Etwas problematischer wird es allerdings mit Testosteron Pr\u00e4paraten f\u00fcr trans* M\u00e4nner. Testosteron ist ein steroid Hormon und f\u00e4llt damit in eine Klasse von Medikamenten, die der strengen Dopingkontrolle unterliegen. Die Einfuhr gr\u00f6\u00dferer Mengen, und das kann schon der Bedarf f\u00fcr eine zweiw\u00f6chige Reise sein, kann schon in den Bereich einer Straftat kommen! Erkundigt euch also bitte vorher \u00fcber die Einfuhrbestimmungen des Ziellandes, besorgt euch Bescheinigungen und Verschreibungen und gebt die Hormone im Zweifelsfall bei der Einreise beim Zoll an! Offenheit und Ehrlichkeit k\u00f6nnen entwaffnend sein, auch hier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn eine amtliche Vornamens- und\/oder Personenstands\u00e4nderung noch nicht erfolgt ist, muss trotzdem auf jeden Fall das Bild im Ausweis dem aktuellen Auftreten entsprechend. Denn das ist es, was schlussendlich haupts\u00e4chlich kontrolliert wird, n\u00e4mlich ob Physiognomie (Aufbau, Geometrie etc.) des Gesichts und andere Merkmale mit denen der Person \u00fcbereinstimmen, die sich in der Kontrolle pr\u00e4sentiert. 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