{"id":108,"date":"2014-07-17T02:20:00","date_gmt":"2014-07-17T00:20:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nf.dpin.de\/?p=108"},"modified":"2014-07-17T02:20:00","modified_gmt":"2014-07-17T00:20:00","slug":"formales-und-medizinisches","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/formales-und-medizinisches\/","title":{"rendered":"Formales und Medizinisches"},"content":{"rendered":"<p>Nachfolgendes ist _nicht_ als Anleitung gemeint. So habe ich es bis hierher gemacht und das hat f\u00fcr _mich_ gut funktioniert, doch das muss nicht f\u00fcr jede so klappen oder gut sein. Aber vielleicht gibt es eine Idee, wie es auch ablaufen kann. Leider bin ich schon immer eigene Wege gegangen und habe selten etwas gemacht, weil es andere auch so machen. Wenn ich etwas mache, dann muss es f\u00fcr mich Sinn ergeben und das ist offenbar oft nicht das, wie es &#8222;alle anderen&#8220; machen \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Also fange ich mal mit den Formalien an.<\/p>\n<p>Manche warten mit der \u00c4nderung des Vornamens in Dokumenten bis zur amtlichen Vornamens\u00e4nderung. Doch das ist nicht immer und f\u00fcr alles n\u00f6tig. Viele Stellen sind entgegenkommend und \u00e4ndern zumindest den Vornamen und Anrede mit dem man angesprochen wird auch schon vor der amtlichen Vornamens\u00e4nderung. Meine Krankenkasse war zum Beispiel so freundlich. Ich bekam schon recht fr\u00fch, noch vor irgendwelchen Gutachten, eine neue Versichertenkarte auf den neuen Vornamen. Das macht Arztbesuche nat\u00fcrlich deutlich angenehmer, denn ich muss mich nicht sofort immer und \u00fcberall erkl\u00e4ren. Die Versicherung hat dazu einen guten formalen Kniff gefunden. Vertragspartner ist immernoch der Mann, aber die versicherte Person ist die Frau. Damit kann ich gut leben.<\/p>\n<p>Im Tagesgesch\u00e4ft spielt der Vorname keine wirklich formale Rolle. Man kann ohne Probleme mit dem neuen Vornamen unterschreiben und auch ihn auch in jeglichem Schriftverkehr benutzen. Juristisch wird es nur problematisch, wenn man dies in betr\u00fcgerischer Absicht t\u00e4te. Doch das liegt mir fern und die Zuordnung des neuen weiblichen Namens zu dem alten m\u00e4nnlichen Namen ist eindeutig.<\/p>\n<p>Reisen mit dem Flugzeug habe ich gerade innerhalb Deutschland probiert &#8211; kein Problem. Es interessiert einfach niemanden, was da in den Papieren steht und das das unter Umst\u00e4nden mit der Person vor dem Schalter nicht ganz \u00fcbereinzustimmen scheint. Eigentlich seltsam, ist aber so. Gerade Sicherheitsbeamte, Polizei und Zoll d\u00fcrfen auch, geregelt durch das Antidiskriminierungsgesetz, sich nichts anmerken lassen. Sollte da doch mal einer komisch werden, sollte man mit Dienstaufsichtsbeschwerde drohen.<\/p>\n<p>Jetzt gibt es noch ein Problem, dass wohl leider nicht zu \u00fcberwinden scheint: Plastikgeld. EC Karten oder Kreditkarten sind pers\u00f6nliche Karten und tragen den Namen. Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen Akzeptanzsstellen, also z.B. ein Gesch\u00e4ft oder Tankstelle, sich vergewissern, dass die vorgelegte Karte auch der Person geh\u00f6rt, die sie \u00fcbergibt. Ein Name, der nicht zu der Person passt, ist dann eigentlich ein klarer Grund, die Karte abzulehnen. De-facto passiert das nat\u00fcrlich selten, aber es passiert. Man k\u00f6nnte das dann nat\u00fcrlich vor Ort aufkl\u00e4ren, doch das ist nicht immer eine angenehme Situation. An der Nachttankstelle, mitten zwischen noch schnell ein paar Bier kaufenden Raufbolden, m\u00f6chte ich nicht erkl\u00e4ren m\u00fcssen, dass ich transsexuell bin etc. Nein danke.<\/p>\n<p>Also wollte ich von meinen Banken eine Karte auf den neuen Namen. Das als Kontoinhaber immernoch der Mann eingetragen ist, ist f\u00fcr mich kein Problem. Aber eine Karte, also eine Verf\u00fcgungsberechtigung, auf den neuen Namen k\u00f6nnte doch drin sein? Offenbar nicht. Zwei Banken haben dies bereits abgelehnt. Sie w\u00fcrden erst den Namen \u00e4ndern, wenn die offizielle Vornamens\u00e4nderung erfolgt ist. Ich sehe das ehrlich gesagt nach wie vor nicht ganz ein, habe aber leider auch keine Handhabe dagegen. Also werde ich wohl noch ein paar Monate mit den alten Karten zahlen m\u00fcssen&#8230; oder Bargeld nehmen.<br \/>\nUnd nun das Medizinische.<\/p>\n<p>Hier nochmal die herzliche Bitte, dies nicht als Anleitung misszuverstehen, OK?<\/p>\n<p>Also&#8230; seit November 2013 nehme ich als Anti-Androgen Spironolacton. Dies ist in Deutschland recht ungew\u00f6hnlich, denn hierzulande wird \u00fcblicherweise nach wie vor Cyproteronacetat (CPA) verschrieben. Doch CPA hat diverse m\u00f6gliche Nebenwirkungen, auf die ich wirklich verzichten kann. Dazu z\u00e4hlt z.B. eine stark erh\u00f6hte Thrombosegefahr und zudem auch noch eine erh\u00f6hte Lebersch\u00e4digung. Auf Dauer kann es das nicht sein. Au\u00dferdem leiden viele Transfrauen mit CPA unter starken depressiven Sch\u00fcben, die oft recht eindeutig auf CPA zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. CPA ist in vielen anderen L\u00e4ndern, z.B. in den USA, gar nicht erst zugelassen! Also was nehmen Transfrauen dort stattdessen? Spironolacton.<\/p>\n<p>Spironolacton ist eigentlich ein Diuretikum, also ein Mittel zur Entw\u00e4sserung und damit Senkung des Bludrucks. Eine Nebenwirkung ist seine Anti-Androgene Wirkung bei etwas erh\u00f6hter Dosierung. Allgemeine andere Nebenwirkungen sind eher moderat und auch die sonstige Belastung des K\u00f6rpers relativ gering. Man sollte dann nur lediglich etwas mehr trinken und regelm\u00e4\u00dfig den Kalium-Blutspiegel kontrollieren lassen. Die Anti-Androgene Wirkung ist nicht ganz so stark wie bei CPA, aber f\u00fcr uns Transfrauen allemal ausreichend.<\/p>\n<p>Ich habe seit November t\u00e4glich 2 x 100mg jeweils zu den Hauptmahlzeiten genommen. Unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen sp\u00fcrte ich keine, bis auf die Tatsache, dass ich etwas \u00f6fter zur Toilette muss.<\/p>\n<p>Trotz Spiro schwirren noch einige Testosterone und Derivate im K\u00f6rper herum und eines der Stoffwechselprodukte davon ist Dihydrotestosteron, kurz DHT. DHT ist als Androgen nicht mehr wirksam, aber es hat die bl\u00f6de Eigenschaft, sich gerade in den Haarwurzeln der Kopfhaare anzusammeln und diese zu verstopfen. Langfristig f\u00fchrt dies zum Absterben der Wurzel und damit zum typisch m\u00e4nnlichen Haarausfall &#8211; Geheimratsecken und Tonsur, kurz Hirsutismus. Als Frau kann man soetwas gar nicht gebrauchen. Also habe ich zu dem Spiro noch Finasterid erg\u00e4nzt. Finasterid blockiert das Enzym, dass Androgene zu DHT umwandelt. Das hat praktisch keine Nebenwirkungen, sch\u00fctzt aber die Haare. Finasterid nehme ich einmal am Tag 2,5mg. Ich habe die 5mb Tabletten und teile sie zur H\u00e4lfte. Das Problem ist n\u00e4mlich, dass 1mg Tabletten etwa das dreifache der 5mg Tablette kosten &#8211; pro St\u00fcck! Das ist eine echte Frechheit. Mein Arzt war so nett, mir ein entsprechendes Rezept zu geben und mir zu vertrauen, dass ich sie wirklich teile.<\/p>\n<p>Jetzt gehen alle Pillen bei der Darmpassage zuerst durch die Leber. Mit anderen Worten, praktisch alle Tabletten, fast egal welche, belasten die Leber. Das kann also kein Dauerzustand sein. Ich habe das im November angefangen, als ich mir noch nicht so ganz sicher war, wo das alles hinf\u00fchren wird. Jetzt wo ich mir sicher bin, dass ich auf Dauer bitte kein Testosteron mehr im Blut haben m\u00f6chte, sondern viel lieber \u00d6strogene, brauchte ich eine L\u00f6sung, die ohne dauerhafte Medikamente auskommt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sorgen extern zugef\u00fchrte \u00d6strgene bereits daf\u00fcr, dass der Testosteronspiegel sinkt (Regelkreis \u00fcber Hypophyse und das Lutenisierende Hormon (LH), gesteuert \u00fcber den Blutserumspiegel der Geschlechtshormone &#8211; egal welche, also ob Androgene oder \u00d6strogene), doch wie weit das geht etc. ist nicht vorhersagbar. Zudem steht es f\u00fcr mich noch nicht fest, dass ich jemals eine Geschlechtsangleichende Operation machen lassen m\u00f6chte. Das ist ein gro\u00dfer und risikoreicher Eingriff mit sehr ungewissem Erfolg. Was mich allerdings heute schon massiv st\u00f6rt, ja geradezu anwidert, sind die Hoden. V\u00f6llig nutzloser Ballast, kontraproduktiv f\u00fcr mich als Transfrau und zuguterletzt auch mechanisch einfach st\u00f6rend.<\/p>\n<p>Also habe ich mich etwas kundig gemacht und meinen Psychologen darum ersucht, mir endlich eine schriftliche Diagnose zu stellen. Diese bekam ich vor knapp drei Wochen. Damit bin ich zur Urologie der \u00f6rtlichen Klinik und \u00e4u\u00dferte dort den Wunsch zu einer bilateralen Orchiektomie &#8211; oder zu gut Deutsch, zur Kastration, also die beidseitige Entfernung der Hoden. Das ist f\u00fcr Transfrauen noch relativ ungew\u00f6hnlich und die Behandlung von Transfrauen an sich in dieser Klinik sowieso. Doch alle in der Klinik waren sehr verst\u00e4ndnisvoll, haben sich anschlie\u00dfend kundig gemacht und kurz darauf dem Eingriff zugestimmt. Der Chefarzt hat sich extra noch erkundigt, wie er es am besten macht, um eine m\u00f6gliche sp\u00e4tere Geschlechtsangleichung nicht zu verkomplizieren. Danke!<\/p>\n<p>Der Eingriff erfolgte heute, 17.7.2014, unter Vollnarkose (aber eine flache Vollnarkose mit Larynx Maske) und ich werde morgen auch schon wieder entlassen.<\/p>\n<p>Da mein Psychologe auch die Indikation f\u00fcr die gegengeschlechtliche Hormontherapie gegeben hat, bin ich nun auch auf der Suche nach entsprechenden Endokrinologen &#8211; gar nicht so einfach! Denn auch hier will ich mal wieder nicht nach Schema-F vorgehen. Alle schicken mich zu bereits bekannten \u00c4rzten, weit weg von zu Hause. Es muss doch m\u00f6glich sein, so etwas einfaches wie ein paar Hormone, auch von einem lokalen Arzt zu bekommen!? Die meisten weisen einen glaube ich einfach nur ab, weil sie nicht bereit sind, auch nur etwas \u00fcber ihren Tellerrand zu gucken &#8211; &#8222;Kennen wir nicht, machen wir nicht.&#8220;. Doch eigentlich machen es viele \u00c4rzte bereits, die z.B. auch Frauen im Klimakterium (Wechseljahre) behandeln. Wo ist da noch der Unterschied? Naja&#8230; noch ist da das letzte Wort nicht gesprochen. Ich finde schon noch einen anderen, als die \u00fcblichen \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachfolgendes ist _nicht_ als Anleitung gemeint. So habe ich es bis hierher gemacht und das hat f\u00fcr _mich_ gut funktioniert, doch das muss nicht f\u00fcr jede so klappen oder gut sein. Aber vielleicht gibt es eine Idee, wie es auch ablaufen kann. 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