{"id":110,"date":"2014-06-03T22:18:00","date_gmt":"2014-06-03T20:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nf.dpin.de\/?p=110"},"modified":"2014-06-03T22:18:00","modified_gmt":"2014-06-03T20:18:00","slug":"umstellungen-umstellungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/umstellungen-umstellungen\/","title":{"rendered":"Umstellungen Umstellungen"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem 12.5. lebe ich nun \u00f6ffentlich voll &#8222;als Frau&#8220; &#8211; mit den Begriffen &#8222;als Frau&#8220; oder dem &#8222;in der weiblichen Rolle&#8220; habe ich wirklich meine Probleme, doch dazu schreibe ich sp\u00e4ter mal etwas. Also seit dem 12.5. bin ich nun 24\/7 f\u00fcr alle um mich herum nur noch die Nicole. Meine Freunde wissen das bereits eine Weile l\u00e4nger, f\u00fcr sie war das also nichts sonderlich Neues mehr. Sie freuten sich vor allem, dass die Heimlichtuerei nun endlich aufh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Doch jetzt merke ich erst so langsam, was im Alltag alles an dem Vornamen h\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Bis vor einigen Monaten, ja sogar Wochen, hatte ich echte Bedenken wegen einer Vornamens\u00e4nderung. Bedenken ist vielleicht etwas viel gesagt, aber ich empfand es irgendwie als unn\u00f6tig. Soviel Aufwand, nur um ein paar Buchstaben auf einem St\u00fcck Papier zu \u00e4ndern? Ich dachte dabei vor allem an Dinge wie Ausweise &#8211; wer guckt sich die schon an? Wann brauche ich die mal? Und dann k\u00f6nnte es mir wegen anti-Diskriminierungsgesetz auch egal sein, denn Offizielle wie Polizei, Zoll etc. *m\u00fcssen* dann geflissentlich die Klappe halten, und das wissen sie auch, weil sie sonst eine heftige Dienstaufsichtsbeschwerde kassieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Doch es beginnt mit scheinbaren Trivialit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Da hatte ich direkt an dem 12.5. Montag einen Zahnarzttermin. Da ich nun st\u00e4ndig erkennbar weiblich lebe, musste das irgendwie gekl\u00e4rt werden, denn angemeldet war dort noch der Mann. Gl\u00fccklicherweise war meine Krankenkasse so nett, mir bereits ohne amtliche Vornamens\u00e4nderung dennoch eine neue Karte auf den neuen Namen auszustellen. So konnte ich dann recht schnell am Empfang klar machen, was ich wollte. Dennoch klappte das nicht auf Anhieb und ich wurde noch als &#8222;Herr XY&#8220; aufgerufen, woraufhin sich die Zahnarzthelferin, als ich aufstand und l\u00e4chelnd auf sie zu ging, aber sofort entschuldigte.<\/p>\n<p>Mir zeigt gerade dieses Beispiel endg\u00fcltig, dass eine Uneindeutig gesellschaftlich nur schwer m\u00f6glich ist. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnte ich versuchen, mich immer und \u00fcberall zu erkl\u00e4ren, &#8222;ich bin biologisch m\u00e4nnlich, lebe aber nun als Frau,&#8230;&#8220; aber mal ehrlich, das w\u00e4re doch auch f\u00fcr die Menschen, die dann mit mir zu tun haben, eine Zumutung?<\/p>\n<p>Noch anschaulicher wird es beim Bezahlen mit Plastikgeld, also EC- oder Kreditkarte. Da steht ein Name drauf und die Karten sind offiziell nicht \u00fcbertragbar. Mit anderen Worten, eine Akzeptanzstelle, bspw. ein Gesch\u00e4ft, k\u00f6nnen und m\u00fcssten eigentlich pr\u00fcfen, ob Karteninhaber und Kartenbesitzer gerade in einer Person vor ihnen stehen. Jetzt gibt es dann bei mir eine eindeutige Diskrepanz zwischen physischer Erscheinung als Frau und einem m\u00e4nnlichen Namen auf der Karte. Das ganze *k\u00f6nnte* man dann nat\u00fcrlich hinreichend erkl\u00e4ren, Ausweis rausholen etc. Doch will man das? Bspw. in einer Tankstelle oder im Supermarkt, mit noch 20 anderen Kunden hinter einem? Dann die etwas peinliche Diskussion mit dem Kassenpersonal ausfechten?<\/p>\n<p>Ich habe bei einer meiner Banken nachgefragt, ob ich nicht zumindest eine Zweitkarte auf den neuen Namen bekommen k\u00f6nnte. Doch die verweigerten das im ersten Anlauf, solange der Name noch nicht offiziell ge\u00e4ndert wurde. Doch das kann bis zu einem Jahr dauern! Was mache ich in der Zwischenzeit?<\/p>\n<p>Die Argumente der Bank sind meines Erachtens nach fadenscheinig. Sie argumentieren mit \u00a7154 Abgabenordnung, dass ein Konto _und_ Verf\u00fcgungsberechtigung nicht auf einen nicht amtlichen Namen laufen k\u00f6nnten. Das mit dem Konto(-Inhaberin) sehe ich ja noch ein. Doch eine Verf\u00fcgungsberechtigung? Man w\u00fcrde eine weitere Unterschriftenkarte anlegen und damit w\u00e4re wieder eine eindeutige Zuordnung gegeben. Da das die Bank ist, bei der das sehr gut laufende Firmenkonto liegt, habe ich etwas Hoffnung, dass die sich nach meinem begr\u00fcndeten Einspruch nun nochmal etwas genauer erkundigen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang habe ich auch eine Stellungnahme einer Juristin gefunden, Frau Maria Sabine Augstein, Rechtsanw\u00e4ltin:<\/p>\n<p>&#8220;<br \/>\n<i>Zur Rechtsstellung Transsexueller nach dem Coming-Out bis zur offiziellen Vornamens\u00e4nderung<\/i><\/p>\n<p><i><br \/>\nF\u00fcr eine Vornamens\u00e4nderung nach \u00a7 1 TSG ist eine abgeschlossene Diagnose der Transsexualit\u00e4t notwendig. Die Gutachter sind in der Regel nicht bereit, diese Diagnose zu stellen, wenn die\/der Betroffene nicht \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum in \u00e4rztlicher bzw. psychotherapeutischer Beobachtung oder Betreuung gestanden hat, und wenn sie\/er noch keinen Alltagstest absolviert hat. Die TSG-Verfahren dauern auch immer l\u00e4nger; inzwischen sind 12 Monate absolut normal, auch wenn es sich um einen Routinefall handelt, der in der Begutachtung keine Schwierigkeiten aufwirft. Die Betroffenen m\u00fcssen daher einen erheblichen Zeitraum ohne entsprechende Papiere in der neuen Identit\u00e4t leben.<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i><br \/>\nDas Auftreten in der neuen Rolle und Identit\u00e4t ist nat\u00fcrlich zul\u00e4ssig!<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i><br \/>\nHierbei darf frau\/mann auch den neuen Namen verwenden, nicht nur m\u00fcndlich, sondern auch im Schriftwechsel (privat und mit Beh\u00f6rden!). Auch die Unterschriftsleistung ist rechtsg\u00fcltig und keine Urkundenf\u00e4lschung. Eine solche liegt nach der Rechtsprechung nur vor, wenn der \u201efalsche\u201c Name als Mittel eingesetzt wird, den Vertragspartner um seine Gegenleistung zu bringen.<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i><br \/>\nEs k\u00f6nnen daher unter dem neuen Namen Vertr\u00e4ge abgeschlossen werden (z.B. Kauf-, Miet- und Versicherungsvertr\u00e4ge).<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i><br \/>\nAuch andere Personen und Institutionen (Arbeitgeber, Beh\u00f6rden) d\u00fcrfen den neuen Namen verwenden. Ich habe z. B. entsprechende Schreiben und Bescheide des Arbeitsamtes, der Krankenkassen und der Rentenversicherung gesehen, die schon vor der gerichtlichen Namens\u00e4nderung den neuen Vornamen gebrauchten.<\/i><br \/>\n&#8220;<\/p>\n<p>Das gibt etwas Hoffnung. Nur leider auch keine Pflicht f\u00fcr diese Stellen, dies auch mitzumachen. Das bedeutet also, man ist hier auf guten Willen angewiesen und so sollte man sich auch entsprechend freundlich ihnen gegen\u00fcber verhalten &#8211; bestimmt, aber freundlich.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich auch noch selbstst\u00e4ndig und meine Firma ist im Handelsregister eingetragen. Das bedeutet also zwangsl\u00e4ufig, dass mein &#8222;alter&#8220; m\u00e4nnlicher Name eben im Handelsregister steht. Aber entsprechend steht er dann auch weiterhin \u00fcberall dort, wo der Firmeninhaber zu nennen ist, bspw. im Impressum der Web-Seite. Leider wurde gerade ein sehr negatives Urteil gesprochen, was eine vollst\u00e4ndige \u00c4nderung sogar noch nach der offiziellen Vornamens\u00e4nderung schwer bis unm\u00f6glich macht, Udo Vetter vom Lawblog berichtete dar\u00fcber:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2014\/05\/27\/handelsregister-immer-wahr-immer-klar\/\">http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2014\/05\/27\/handelsregister-immer-wahr-immer-klar\/<\/a><\/p>\n<p>Ich muss offen gestehen, das finde ich eine grandiose Sauerei und widerspricht dem Grundgedanken des <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/tsg\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Transsexuellengesetzes (TSG)<\/a>. Ich denke auch, dass es rechtswidrig ist und dem \u00a75 TSG, Offenbarungsverbot widerspricht. Aber was soll man dagegen tun?<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sind alle unsere Kunden einfach nur gro\u00dfartig und machen das super mit. Alle mit denen ich seitdem zu tun hatte, und das waren bestimmt \u00fcber 30, haben keinerlei Probleme gezeigt und verwenden nun konsequent den neuen Vornamen und Anrede.<\/p>\n<p>Eingangs schrieb ich ja noch, dass ich das alles mal recht locker gesehen hatte und sehen wollte. Doch zunehmend sehe ich einfach diese ganzen Sachzw\u00e4nge und m\u00f6glichen bl\u00f6de Situationen. Also habe ich angefangen, ganz konsequent alles umzubenennen &#8211; eMail Konten, Zugangsdaten etc. Und ich werde darauf bestehen, dass mein Gegen\u00fcber den neuen Namen und Anrede verwendet. Es geht nicht anders. Und ich werde wohl oder \u00fcbel nun doch den Antrag auf Vornamens- und Personenstands\u00e4nderung nach TSG stellen &#8211; m\u00fcssen. Eigentlich hatte ich \u00fcberlegt darauf zu verzichten oder auf eine Regelung zu warten, die ohne diese irrwitzigen Gutachten ausk\u00e4me.<\/p>\n<p>Nunja, mal sehen.<\/p>\n<p>Doch schon jetzt freue ich mich einfach dar\u00fcber, wenn immer mehr Post an Nicole kommt \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Alles wird gut!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 12.5. lebe ich nun \u00f6ffentlich voll &#8222;als Frau&#8220; &#8211; mit den Begriffen &#8222;als Frau&#8220; oder dem &#8222;in der weiblichen Rolle&#8220; habe ich wirklich meine Probleme, doch dazu schreibe ich sp\u00e4ter mal etwas. Also seit dem 12.5. bin ich nun 24\/7 f\u00fcr alle um mich herum nur noch die Nicole. 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