{"id":2030,"date":"2022-07-15T21:20:25","date_gmt":"2022-07-15T19:20:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/?p=2030"},"modified":"2022-07-15T21:20:25","modified_gmt":"2022-07-15T19:20:25","slug":"oeffis-fuer-69eur-im-monat-flat-zuviel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/oeffis-fuer-69eur-im-monat-flat-zuviel\/","title":{"rendered":"\u00d6ffis f\u00fcr 69EUR im Monat flat? Zuviel!"},"content":{"rendered":"<p>Das 9EUR Ticket war eine, wenn auch etwas \u00fcber&#8217;s Knie gebrochene, aber trotzdem gute Sache. Eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig zudem. Der \u00f6ffentliche Personen Nahverkehr ist extrem wichtig f\u00fcr nachhaltige Mobilit\u00e4t. Ohne Mobilit\u00e4t geht es nicht und Autos sind keine gute L\u00f6sung, ob elektrisch oder nicht. Wir sind in Deutschland schon nicht schlecht, was den \u00d6PNV betrifft. In den letzten Jahren war ich viel in den USA und dort ist der \u00d6PNV fast \u00fcberall eine v\u00f6llige Katastrophe. Selbst wenn man wollte, w\u00fcrde man die meisten Ziele schlicht nicht erreichen, egal wieviel man bezahlt oder wielange man unterwegs sein w\u00fcrde. Hierzulande kommt man zumindest in akzeptabler Zeit fast \u00fcberall hin.<\/p>\n<p>Die Krux an der Sache ist nur, dass seit Jahrzehnten der \u00d6PNV viel zu teuer ist &#8211; von den undurchsichtigen Tarifstrukturen gar nicht erst zu sprechen. Als in meiner Heimatstadt vor knapp 30 Jahren das Semesterticket eingef\u00fchrt wurde, gab es ein gro\u00dfes Get\u00f6se darum herum. Das sei nicht kostendeckend, die Infrastruktur w\u00fcrde \u00fcberlastet etc. etc. Wie sich rausstellte, alles Mumpiz, es war ein gro\u00dfer Erfolg! Die Parkplatzsituation an der Uni entspannte sich schlagartig, weniger Autos in der Stadt, auf wundersame Art und Weise schafften die lokalen Verkehrsbetriebe gef\u00fchlt zum ersten mal seit 30 Jahren neuen Busse an (und gingen daran nicht pleite), die Studierenden waren gl\u00fccklich, alles super! Wenig sp\u00e4ter wurden Semestertickets in ganz NRW f\u00fcr ganz NRW eingef\u00fchrt, ein Ticket f\u00fcr den gesamten \u00d6PNV in NRW, flat, ohne Einschr\u00e4nkung. Im Gegenteil, Studierende k\u00f6nnen sogar noch eine Person auf ihr Ticket kostenlos mitnehmen. Wie genial ist das denn!? Die Kosten liegen heute bei ca. 200EUR &#8211; pro Semester wohl gemerkt, also f\u00fcr sechs Monate, das macht also gut 30EUR pro Monat. Es geht also.<\/p>\n<p>Das 9EUR Ticket war von vorne herein, meiner Meinung nach, Populismus. Teures Pflaster auf eine klaffende politische Wunde, die sich gerade jetzt entz\u00fcndet. Die Energiepreise steigen, zurecht, stark an, Mobilit\u00e4t wird f\u00fcr immer mehr Menschen zu einem gro\u00dfen Kostenfaktor. Das 9EUR Ticket konnte nicht nachhaltig sein, ein Strohfeuer.<\/p>\n<p>Doch erste Auswertungen zeigen eine ganze Reihe sehr positiver Effekte. Angefangen damit, dass die Zahl der Schwarzfahrten deutlich zur\u00fcck ging. Das zeigt entweder, dass weniger kontrolliert wurde oder das vielleicht in der Tat viele Menschen schwarz fahren, weil die regul\u00e4ren Tickets zu teuer sind, sie aber sehr wohl bereit w\u00e4ren, g\u00fcnstigere Tickets zu kaufen. In einigen Regionen hat nachweislich der Auto Verkehr gerade zu Sto\u00dfzeiten nachgelassen. Ebenfalls nachweislich gaben Reisende an, erst jetzt mobil zu sein, weil sie es sich vorher nicht haben leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Also der Bedarf ist da, es wird genutzt und es hat positive Effekte!<\/p>\n<p>Das geht auch an der Politik nicht spurlos vorbei. Doch anstatt nun endlich einmal von grundauf Dinge neu und anders zu denken, verf\u00e4llt man in alte Muster. Und so denken sie aktuell \u00fcber ein 69EUR Ticket nach.<\/p>\n<p>Nein, 69EUR sind zu viel! Viel zu viel!<\/p>\n<p>In unserem Wohn\u00f6rtchen f\u00e4hrt nur 5 Minuten zu Fu\u00df entfernt eine lokale Bimmelbahn in die Stadt zum Hauptbahnhof. Von dort ginge alle paar Minuten einer dieser Studierendenbusse bis fast vor die T\u00fcr von unserem B\u00fcro. Ideal! Das ganze w\u00fcrde uns zwar etwas mehr Zeit kosten, als direkt T\u00fcr zu T\u00fcr mit dem Auto, aber trotzdem w\u00fcrde ich das lieber machen, auch der Umwelt zuliebe. Seit Jahren m\u00f6chte ich das. Aber, immer wieder schaue ich dann auf die Tarife f\u00fcr irgendwelche Dauerkarten und es treibt mir Tr\u00e4nen in die Augen. Eine Monatskarte f\u00fcr diese Mini Strecke w\u00fcrde f\u00fcr eine Person weit \u00fcber 60EUR kosten. Und das ist dann nur f\u00fcr diese kleine Strecke, wir reden hier nicht von einer NRW Flatrate, nein, nur diese kleine Strecke. Jetzt sind wir zu zweit, wir fahren jeden Tag in einem Auto mit zwei Personen diese Strecke. Macht mit \u00d6PNV also weit jenseits der 120EUR &#8211; pro Monat.<\/p>\n<p>Und das, liebe Leser*innen, das ist das Problem. Denn f\u00fcr 120EUR im Monat kann man locker ein Auto neu kaufen, volle Abschreibung, Wartung und Energiekosten inklusive. Wenn ich also die Wahl habe zwischen Auto, das ich fahren kann wann immer ich m\u00f6chte oder zus\u00e4tzlicher Reisezeit, Fu\u00dfwege, ggf. schlechtem Wetter, Wartezeiten an den Haltestellen, volle Z\u00fcge\/Busse etc. und dann daf\u00fcr auch noch mehr Geld zahlen muss (und auch nicht mit dem gleichen Verkehrsmittel auch mal woanders hinfahren kann, so wie mit dem Auto), dann kaufe ich mir wieder ein Auto. Ich bin doch nicht irre und zahle f\u00fcr eine geringwertigere Leistung, die unter dem Strich auch noch deutlich geringeren Komfort bietet, fast doppelt soviel Geld?<\/p>\n<p>So wird das nichts, mit der Verkehrswende!<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit kam auch mal der Vorschlag f\u00fcr ein 29EUR Ticket auf, also in etwa 1EUR pro Tag. Das w\u00fcrde sich f\u00fcr uns so gerade eben rechnen und erscheint mir ein ganz guter Kompromiss. Es darf nicht zu teuer sein, damit es m\u00f6glichst viele einfach immer kaufen und damit zur Finanzierung beitragen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sogar noch weiter gehen und es als politische Aufgabe betrachten, den regionalen \u00d6PNV immer fahrscheinfrei zu machen, getragen von den Kommunen, ggf. gegenfinanziert durch irgendwelche Umlagen. Damit k\u00f6nnten dann Innenst\u00e4dte schlicht Auto frei gemacht werden, Parkpl\u00e4tze am Stadtrand. Es gibt einige Modellrechnungen, wie hoch alleine die Verwaltungskosten des Fahrscheinbetriebs sind &#8211; immens! Die Deckungsl\u00fccke zu fahrscheinlos ist viel kleiner, als man denken w\u00fcrde. Etwas wohl betuchtere St\u00e4dte und Regionen machen es vor, es geht und findet gro\u00dfe Akzeptanz.<\/p>\n<p>Ich zumindest bin nicht geizig. Ich habe kein Problem damit, f\u00fcr etwas Geld zu bezahlen. Doch ich muss f\u00fcr mein Geld ordentlich arbeiten und erwarte entsprechend, wenn ich Geld ausgebe, dass ich auch eine meiner daf\u00fcr geleisteten Arbeit entsprechende Leistung bekomme. Keine Leistung, kein Geld. Schlechte Leistung, wenig Geld. Gute Leistung, gerne gutes Geld. Recht einfach. \u00d6PNV in Deutschland heute? In den allermeisten Regionen eher m\u00e4\u00dfige bis schlechte Leistung f\u00fcr viel zu viel Geld. Das muss sich \u00e4ndern &#8211; schnell!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das 9EUR Ticket war eine, wenn auch etwas \u00fcber&#8217;s Knie gebrochene, aber trotzdem gute Sache. Eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig zudem. Der \u00f6ffentliche Personen Nahverkehr ist extrem wichtig f\u00fcr nachhaltige Mobilit\u00e4t. Ohne Mobilit\u00e4t geht es nicht und Autos sind keine gute L\u00f6sung, ob elektrisch oder nicht. Wir sind in Deutschland schon nicht schlecht, was den \u00d6PNV betrifft. 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