{"id":2155,"date":"2023-04-03T22:39:18","date_gmt":"2023-04-03T20:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/?p=2155"},"modified":"2023-04-05T10:21:41","modified_gmt":"2023-04-05T08:21:41","slug":"finanzierung-der-waermewende-sparen-ist-kein-verdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/finanzierung-der-waermewende-sparen-ist-kein-verdienst\/","title":{"rendered":"Finanzierung der W\u00e4rmewende &#8211; Sparen ist kein Verdienst!"},"content":{"rendered":"<p>Die aktuellen Meldungen zur Umr\u00fcstung der Heizungsanlagen regen mich offen gestanden etwas auf. Da ist doch tats\u00e4chlich aus der Politik zu h\u00f6ren, dass sich eine neue Heizung mit W\u00e4rmepumpe &#8222;rechnen&#8220; w\u00fcrde, weil man die Kosten durch die Heizkostenersparnis wieder zur\u00fcck bek\u00e4me. Ach ja?<\/p>\n<p>Also zuerstmal liegt dem ein alter Denkfehler zugrunde. Durch Sparen kann man kein Geld verdienen! Wenn ich nur geringe oder keine Kosten habe, aber eine gro\u00dfe Investition t\u00e4tigen muss, die aus geringen Kosten h\u00f6chstens noch geringere Kosten machen kann, dann habe ich dennoch die hohen Kosten am Bein! Und die geringe bis keine Ersparnis hilft mir dann gar nichts bei der Refinanzierung.<\/p>\n<p>Was ich meine? Nunja, mal angenommen eine Gas Heizung soll oder muss gegen eine W\u00e4rmepumpe getauscht werden. Damit die effizient l\u00e4uft, muss zu der W\u00e4rmepumpe noch ein gr\u00f6\u00dferer Speicher (=Wassertank) installiert werden &#8211; wenn man den Platz daf\u00fcr hat. F\u00fcr ein kleines Einfamilienhaus kann man hier incl. Montage mit Kosten zwischen 15.000EUR bis 20.000EUR rechnen &#8211; f\u00fcr eine Luft-Wasser W\u00e4rmepumpe, also ein Ger\u00e4t, dass aus der Au\u00dfenluft W\u00e4rme entzieht und in einen Wasserkreislauf gibt.<\/p>\n<p>Luft-Wasser W\u00e4rmepumpen haben, wenn es gut l\u00e4uft, einen Wirkfaktor von etwa 4, d.h. aus 1 kWh elektrischer Energie kann die W\u00e4rmepumpe etwa 4 kWh W\u00e4rmeenergie machen. Das trifft aber nur zu, wenn die Luft nicht zu kalt ist. F\u00e4llt die Au\u00dfentemperatur unter Null, dann beginnt der Faktor schnell zu schrumpfen. Wie sehr, h\u00e4ngt vom konkreten Ger\u00e4t ab. Aber gehen wir mal als Beispiel davon aus, die w\u00fcrde immer mit Faktor 4 laufen &#8211; tolles Ding, haben wir da!<\/p>\n<p>Wir haben im gesamten letzten Jahr 1.900m^3 Gas verbraucht, was laut Versorger 9.380kWh Energie entspricht. Ob das nun 1:1 mit Energie aus Strom vergleichbar ist, wei\u00df ich ehrlich gesagt nicht, denn die Umrechnung von m^3 in Wh finde ich etwas willk\u00fcrlich. Aber nehmen wir mal an, das w\u00fcrde hinkommen. F\u00fcr die gleiche Energie br\u00e4uchte dann eine W\u00e4rmepumpe ein Viertel an einzuspeisendem Strom, also 2.345kWh Strom.<\/p>\n<p>So, und nun wird&#8217;s spannend.<\/p>\n<p>Unsere Stadtwerke SVB (Siegener Versorgungsbetriebe) rechnen uns aktuell sage und schreibe 46,15 Cent pro kWh Strom ab! Das ist eine mittelschwere Frechheit, hier werden Bestandskunden mit Vertragsbindung ganz klar abgezockt, der Grundversorgertarif liegt gerade bei 31,98 Cent! F\u00fcr Gas bezahlen wir aktuell 12 Cent pro kWh.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Gasheizung kostet uns das also 9.380kWh * 0.12EUR\/kWh = 1.125,60EUR im Jahr.<br \/>\nEine W\u00e4rmepumpe w\u00fcrde uns 2.345kWh * 0.4615EUR\/kWh =\u00a0 1.082,22 EUR an Strom kosten &#8211; und das eben auch nur, wenn sie immer optimal mit Faktor 4 liefe, was sie im Winter nicht immer tut.<\/p>\n<p>Ersparnis also im gesamten Jahr, unter unrealistisch guten Bedingungen, sage und schreibe 40EUR &#8211; im Jahr!<\/p>\n<p>Um 15.000 EUR damit zu amortisieren braucht es &#8211; papierraschel &#8211; nur knappe 375 Jahre &#8211; das schaffen wir! Locker!<\/p>\n<p>Ja ja, Strom wird wieder etwas billiger werden und Gas wird immer teurer werden. Alles fein. Aber bitte schaut mal auf die Zahlen. Selbst mit hohem Strompreis haben wir Heizkosten von nichtmal 100EUR im Monat. Selbst wenn sich der Gas Preis verdoppelte br\u00e4uchten wir 15 Jahre und mehr, um die Investition zu amortisieren, d.h. erst nach 15 oder mehr Jahren sparen wir tats\u00e4chlich irgendetwas an Kosten, bis dahin haben wir lediglich die Anlage abbezahlt. Wie lange so eine W\u00e4rmepumpe h\u00e4lt, wer wei\u00df, ich rechne mit nicht viel mehr als 15 Jahren, im Durchschnitt &#8211; mit Gl\u00fcck 20, mit Pech nur 10.<\/p>\n<p>Also wirtschaftlich betrachtet ist da gar nichts mit Ersparnis, bitte verkauft uns nicht f\u00fcr bl\u00f6de.<br \/>\nSagt doch wie es ist: Es wird teuer. Das w\u00e4re zwar noch immer Mist, aber zumindest ehrlich.<\/p>\n<p>Und noch ein Nachsatz zum Strompreis&#8230; es ist gerade eine bodenlose Frechheit, was da passiert. Unsere Regierung treibt uns in Strom basierte L\u00f6sungen &#8211; E-Mobilit\u00e4t, Strom betriebener Fernverkehr und eben auch W\u00e4rmepumpen f\u00fcr die Heizung. Das ist im Prinzip auch gut, denn Strom, im Gegensatz zu fast allen anderen Energietr\u00e4gern, k\u00f6nnen wir ganz gut regenerativ erzeugen, das haben wir inzwischen ganz gut im Griff. Die Strom Erzeugerkosten waren nur f\u00fcr einen vergleichsweise kurzen Zeitraum im letzten Jahr (2022) wirklich hoch, sind aber dann schnell wieder gefallen. Strom aus Erneuerbaren liegt seit Jahren bei weit unter 10 Cent pro kWh, aber ihr Anteil am Strommix ist noch immer nur um die 40-45%. Und was zahlen wir Verbraucher*innen?<\/p>\n<p>Dieser gesamte &#8222;Strommarkt&#8220; ist ein schlechter Witz, denn von &#8222;Markt&#8220; im Sinne von Marktwirtschaft k\u00f6nnte dieses seltsam konstruierte System kaum weiter entfernt sein. Zzgl. der ganzen extrem seltsamen Regeln zu Einspeisung und Abnahme &#8211; ein Windrad in Gemeinde A kann nicht, selbst wenn sie wollten, ihren Strom direkt an Gemeinde B verkaufen, nein, es muss \u00fcber den &#8222;Strommarkt&#8220; gehen und *PUFF* ist der Preis gleich mal zwei oder drei mal so hoch. F\u00fcr nichts, es ist der gleiche Strom.<\/p>\n<p>Und wenn ich selbst Geld in die Hand nehme und eine Photovoltaik Anlage auf&#8217;s Dach stelle, die v\u00f6llig irre B\u00fcrokratie mitmache und den Strom, den ich nicht selbst verbrauche, einspeise, dann bekomme ich sage und schreibe <a href=\"https:\/\/www.solaranlagen-portal.com\/photovoltaik\/wirtschaftlichkeit\/einspeiseverguetung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">8 Cent pro kWh<\/a> &#8211; abzgl. des ganzen B\u00fcrokratie Overheads und weiterer anfallender Steuern, da bleibt nicht viel \u00fcbrig. Aber bezahlen darf ich im besten Fall knapp 32 Cent, aktuell bis \u00fcber 46 Cent!? Wollen die mich ver\u00e4ppeln?<\/p>\n<p>Die &#8222;Balkonkraftwerke&#8220; sind ein guter erster Schritt &#8211; Einstecken und Sparen. Aber nur bis 600Wp, das ist nichts! Selbst wenn man auf eine Einspeiseverg\u00fctung verzichtet, darf man ohne Weiteres nicht mehr also diese 600Wp pro Z\u00e4hler anschlie\u00dfen &#8211; und das gilt pro Z\u00e4hler, nicht pro Hausanschluss, sondern pro Z\u00e4hler! Das hat also keinerlei technischen Hintergrund, das ist, meiner Meinung nach, reiner Protektionismus f\u00fcr die gro\u00dfen Energieversorger, nichts anderes. Mit einem entsprechenden elektrischen Anschluss gibt es keinerlei guten Grund, nicht auch 1.200Wp oder 3.000Wp oder noch mehr zuzulassen &#8211; 1200W ist etwa soviel wie ein F\u00f6n. Untergang des Abendlandes! Niemals nicht einen F\u00f6n benutzen, sonst droht der Blackout! Was f\u00fcr ein Unsinn. 3.000 Watt ist vielleicht soviel wie ein Backofen oder das Kochen des Abendessens auf dem Herd. Das sind Leistungen, die praktisch sofort in der Nachbarschaft &#8222;aufgesaugt&#8220; werden, daf\u00fcr braucht es nichtmal Verteilnetze.<\/p>\n<p>Warum sind nur 600Wp erlaubt? Naja, fragt mal die Kolleg*innen von RWE, Vattenfall &amp; Co. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Sachargumenten zu tun. Hier geht es um Klientelpolitik und staatlichen Protektionismus, zu Lasten der Verbraucher*innen. Strom k\u00f6nnte <em>viel<\/em> billiger sein, wenn die CDU\/CSU nicht jahrelang gemauert h\u00e4tte und nicht unsere existierende Regenerative Energie Industrie mit Ansage vor die Wand gefahren h\u00e4tte &#8211; \u00fcber 100.000 Arbeitspl\u00e4tze vernichtet, um weniger als 30.000 in der Kohle &#8222;zu retten&#8220;. Unfassbar. Und wenn die Stromlobby nicht so verdammt m\u00e4chtig w\u00e4re und sich die Gesetze und Verordnungen so schreiben lassen kann, wie es f\u00fcr sie maximal hilfreich (=gewinnbringend) ist. Wer profitiert denn aktuell von den Regeln am Strommarkt? Vom &#8222;merit order&#8220; Prinzip&#8220;? Na? Die, deren Erzeugerpreis maximal hoch ist, denn die k\u00f6nnen ihre eigentlich unwirtschaftlichen Kraftwerke dann trotzdem noch sch\u00f6n weiter laufen lassen, zu Lasten der Stromkunden und zu Lasten der Energiequellen, die eigentlich viel billiger sein k\u00f6nnten. Es ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken, bei der man auch noch selbst die Zahl der Nullen bestimmen kann. Unfassbar.<\/p>\n<p>Es ist besch\u00e4mend und man muss es eigentlich beim Namen nennen &#8211; ich nenne es Korruption. Der gleiche, wie ich finde, korrupte Unsinn, wie mit diesen v\u00f6llig beknackten Ausnahmen f\u00fcr Autos mit E-Fuels. Warten wir mal ab, wo Wissing und Lindner nach dem Ende dieser Regierung und dem Ende der Sperrfrist abtauchen; irgendein Aufsichtsrat einer Porsche nahen Gruppe, ein gut dotierter Stiftungsrat oder was auch immer. So zum Affen machen die sich nicht umsonst. Das macht keinerlei sachlichen Sinn, au\u00dfer das nun ein paar (wenige) Autobauer weiter in ihrer Welt von gestern verharren k\u00f6nnen und aus Technologie von vorgestern den letzten Cent lutschen. Aber wir Verbraucher*innen d\u00fcrfen von heute auf morgen die Zeche daf\u00fcr zahlen, na super.<\/p>\n<p>Ich bin ja super gerne bei einer Energiewende dabei!<br \/>\nAber sie muss bitte gerechtfertigt und gerecht sein.<br \/>\nDie Kosten m\u00fcssen auf alle verteilt werden, es darf dabei keine Gewinner geben, an dieser epochalen Krise darf sich nicht bereichert werden.<\/p>\n<p>Wenn wir alles mit Strom machen sollen, dann m\u00f6chte ich bitte auch anst\u00e4ndige Markt- und keine Phantasie-Mondpreise bezahlen. Dann m\u00f6chte ich Strom f\u00fcr einen ordentlichen Marktpreis verkaufen k\u00f6nnen und nicht zu einem willk\u00fcrlichen Witzpreis. Und ich m\u00f6chte meine Stromeinspeisung an technischen konkreten lokalen Voraussetzungen bemessen sehen und nicht nach willk\u00fcrlichen Regeln &#8211; ich kann praktisch auf Zuruf beim Netzbetreiber meine Leistungsaufnahme bis ans Limit erh\u00f6hen lassen, die kommen sogar freiwillig und meist kostenlos und machen das! Aber wehe man m\u00f6chte einen Bruchteil davon einspeisen k\u00f6nnen! Merksch&#8216; &#8218;was? Man man man&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuellen Meldungen zur Umr\u00fcstung der Heizungsanlagen regen mich offen gestanden etwas auf. Da ist doch tats\u00e4chlich aus der Politik zu h\u00f6ren, dass sich eine neue Heizung mit W\u00e4rmepumpe &#8222;rechnen&#8220; w\u00fcrde, weil man die Kosten durch die Heizkostenersparnis wieder zur\u00fcck bek\u00e4me. Ach ja? Also zuerstmal liegt dem ein alter Denkfehler zugrunde. Durch Sparen kann man kein Geld verdienen! 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