{"id":296,"date":"2015-07-07T10:52:00","date_gmt":"2015-07-07T08:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nf.dpin.de\/?p=296"},"modified":"2015-07-07T10:52:00","modified_gmt":"2015-07-07T08:52:00","slug":"wie-spreche-ich-eine-trans-person-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/wie-spreche-ich-eine-trans-person-an\/","title":{"rendered":"Wie spreche ich eine (Trans*-)Person an?"},"content":{"rendered":"<p>Diese Frage wird oft gestellt, gestern noch &#8222;er&#8220; heute &#8222;sie&#8220; (oder umgekehrt), woher wei\u00df ich denn nun, wie ich es richtig machen soll? Einige sagen dann &#8222;Na entsprechend der Erscheinung der Person!&#8220;. Doch ganz so einfach ist das aber nun doch nicht. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass es eine ganze Reihe von Trans* Menschen gibt, denen man ihre Geschlechtsidentit\u00e4t nicht ansehen kann. \u00dcberhaupt ist dieses &#8222;ansehen k\u00f6nnen&#8220; doch eines der gr\u00f6\u00dften Probleme \u00fcberhaupt? Da wird die geschlechtliche Identit\u00e4t eines Menschen von \u00c4u\u00dferlichkeiten abh\u00e4ngig gemacht. Was soll passieren, wenn diese \u00c4u\u00dferlichkeiten nicht eindeutig sind? Oder wenn sie nicht zur pers\u00f6nlichen individuellen Identit\u00e4t passen &#8211; wof\u00fcr die Betroffenen im Zweifelsfall ja auch gar nichts k\u00f6nnen &#8211; sie sind eben so, wie sie sind. Der Schluss von \u00e4u\u00dferlichen Merkmalen auf die geschlechtliche Identit\u00e4t ist, meiner Meinung nach, eines unserer gr\u00f6\u00dften Probleme. Daraus folgt viel Leid. Am drastischsten kann man es am Beispiel intersexueller S\u00e4uglinge aufzeigen, die noch heute auf Anraten von \u00c4rzten einem der zwei Geschlechter zwangs-zugewiesen werden, weil eben ihre \u00e4u\u00dferlichen Merkmale eine sonstige eindeutige Zuordnung nicht zulassen. Eindeutigkeit wird erwartet und teils erzwungen. Eindeutigkeit impliziert Konformit\u00e4t, das Entsprechen zu einer Erwartungshaltung, die eine Haltung und Erwartung Dritter an diese Personen ist und nicht ihre eigene Selbsteinsch\u00e4tzung. Die Fremdeinsch\u00e4tzung wird h\u00f6her bewertet, als das Selbstempfinden.<\/p>\n<p>Nein, ich denke nicht, dass es so funktionieren sollte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man es als Trans* Person \u00e4u\u00dferst schmeichelhaft empfinden, wenn man richtig gelesen wird. Kann ich sehr gut verstehen. Doch wir k\u00f6nnen dies nicht zur Norm erheben, denn wir setzen damit jene extrem unter Druck, die dieses Gl\u00fcck, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, nicht haben. Nicht jede_r wird automatisch richtig gelesen. Gerade Transm\u00e4nner, vor allem die, die noch vor einer Hormonersatztherapie stehen oder diese sogar, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, ablehnen, leiden enorm darunter, immer wieder falsch gelesen zu werden. Studien belegen, dass die Suizid-Rate bei Transfrauen w\u00e4hrend und nach der Transition steigt, w\u00e4hrend sie bei Transm\u00e4nnern vor der Transition am h\u00f6chsten ist. Dies hat Gr\u00fcnde und einer davon ist sicherlich, dass sie vor einer HET meist noch falsch gelesen werden. Transm\u00e4nner macht dies einfach fertig. Sie haben auch kaum M\u00f6glichkeiten, im Gegensatz zu Transfrauen, \u00e4u\u00dferliche Merkmale entsprechend zu betonen &#8211; die Kleidung wird als unisex interpretiert und Make-Up ist keine Option. Dinge, mit denen Transfrauen ganz klare Akzente setzen k\u00f6nnten. Noch komplizierter wird es f\u00fcr die wachsende Gruppe der Gender-Fluid, Agender oder Gender-Queer. Wie sollten diese jemals ein spontanes Erkennen erreichen?<\/p>\n<p>Ich habe auf all das auch keine universelle Antwort, wei\u00df aber, dass ein blo\u00dfer Schluss von \u00e4u\u00dferlichen Merkmalen auf die Indentit\u00e4t der Person viel zu kurz greift. In einigen F\u00e4llen mag dies klappen und sogar auch der Selbsteinsch\u00e4tzung und Definition der betreffenden Person entsprechen. In vielen F\u00e4llen aber nicht und in diesen sorgt es f\u00fcr ein unn\u00f6tiges Unbehagen beider beteiligter Parteien oder sogar eine pers\u00f6nliche Verletzung und Grenz\u00fcberschreitung bei der falsch einsortierten Person.<\/p>\n<p>Wenn also nur der Hauch eines Zweifels besteht, einfach nachfragen. Ich gebe mir lieber selbst die vermeintliche Bl\u00f6\u00dfe nicht in der Lage zu sein, jemanden einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, als unwissend Annahmen zu treffen und damit das Risiko einzugehen, die Person zu verletzen. Also frage ich nach der gew\u00fcnschten Ansprache und dem Pronomen. Das w\u00e4re f\u00fcr mich die beste Maxime, die man geben kann. Es zeigt den Respekt vor der Selbsteinsch\u00e4tzung der Person, denn nur sie selbst kann eindeutig die eigene Identit\u00e4t beschreiben. Alles was Dritte k\u00f6nnen, sind Fremdzuschreibungen.<\/p>\n<p>Dieses Vorgehen ist aber gesellschaftlich nicht \u00fcblich und sorgt bei Menschen, die mit dieser Thematik noch nicht in Ber\u00fchrung gekommen sind, f\u00fcr Verwirrung und vielleicht sogar Verst\u00f6rung. Ich halte es daher f\u00fcr eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ein breites Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu schaffen, dass geschlechtliche Identit\u00e4t nichts ist, dass man einer Person einfach ansehen kann. Ich w\u00fcrde sogar noch weiter gehen und sagen, dass es allgemein als falsch erkannt werden muss, dass jede Person selbst f\u00fcr eine solche Eindeutigkeit zu sorgen h\u00e4tte. Wenn ich falsch gelesen und dann auch noch entsprechend angesprochen und behandelt werde, dann darf es nicht mein Fehler sein und zu meinem Problem werden. Ich m\u00f6chte nicht dazu gezwungen werden, selbst diese Eindeutigkeit herstellen zu m\u00fcssen &#8211; eine Eindeutigkeit, die auf Annahmen beruht, die ich vielleicht gar nicht teile. Ich m\u00f6chte, dass Annahmen durch Fakten ersetzt werden und der einzige daf\u00fcr zul\u00e4ssige Fakt ist die eigene Selbsteinsch\u00e4tzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Frage wird oft gestellt, gestern noch &#8222;er&#8220; heute &#8222;sie&#8220; (oder umgekehrt), woher wei\u00df ich denn nun, wie ich es richtig machen soll? Einige sagen dann &#8222;Na entsprechend der Erscheinung der Person!&#8220;. Doch ganz so einfach ist das aber nun doch nicht. 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