{"id":354,"date":"2015-09-17T19:04:00","date_gmt":"2015-09-17T17:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nf.dpin.de\/?p=354"},"modified":"2015-09-17T19:04:00","modified_gmt":"2015-09-17T17:04:00","slug":"opa-summt-nicht-mehr-oder-wie-kinder-mit-dem-tod-umgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/opa-summt-nicht-mehr-oder-wie-kinder-mit-dem-tod-umgehen\/","title":{"rendered":"&#8222;Opa summt nicht mehr&#8230;&#8220; oder wie Kinder mit dem Tod umgehen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Im Spiegel online erschien k\u00fcrzlich ein sch\u00f6ner Artikel [1], der auf einf\u00fchlsame Art beschreibt, wie Kinder einen ganz wunderbaren Umgang mit etwas scheinbar so unfassbaren wie den Tod eines nahen Verwandten haben k\u00f6nnen, sodass Erwachsene nur staunen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Artikel hat mich sehr bewegt und tief ber\u00fchrt und ich fragte mich warum.<\/p>\n<p>Seit ich zu mir fand, ber\u00fchren mich einige Dinge und Themen sehr tief &#8211; so tief, dass mir oft das Wasser in den Augen steht &#8211; und so manches mal auch weit dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Es sind vor allem Zeichen bedingungsloser Zuwendung, die mich sehr schnell an diese Grenze bringen &#8211; bedingungsloser Respekt, bedingungslose W\u00fcrde, bedingungslose Liebe, bedingungslose Anerkennung, bedingungslose Wertsch\u00e4tzung etc.<\/p>\n<p>Ihrer Bedingungslosigkeit liegt die tiefste Form von Ehrlichkeit zu Grunde. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind die Grundlagen f\u00fcr Empathie und damit f\u00fcr Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Ich habe seinerzeit meinen Zivildienst in einer Werkstatt f\u00fcr, zumeist geistig, Behinderte gemacht. Neben vielem anderen sind viele geistig Behinderte mit einer kindlichen Naivit\u00e4t gesegnet, einer Nat\u00fcrlichkeit, die uns &#8222;Normalos&#8220; durch Erziehung und Sozialisation abhanden gekommen ist. Es f\u00e4llt uns unendlich schwer, bedingungslos ehrlich zu anderen und oft genug auch zu uns selbst zu sein. Wir haben schiere Panik und Angst davor, verwechseln diese Ehrlichkeit mit Kritik oder gar Spott oder f\u00fcrchten uns vor Konsequenzen, die wir eigentlich gar nicht absehen k\u00f6nnen. Wir antizipieren die Rezeption und verstellen uns damit.<\/p>\n<p>Kindermund tut Wahrheit kund &#8211; es ist diese Naivit\u00e4t, die Kinder noch haben und die uns Erwachsenen abhanden kam, die in Schilderungen wie in dem Spon Artikel wunderbar zum Ausdruck kommt. Durch unsere Verbildung k\u00f6nnen wir die v\u00f6llig basalen Zusammenh\u00e4nge nicht mehr anerkennen &#8211; &#8222;Opa summt nicht mehr&#8230;&#8220;. Wir versuchen unsere Authentizit\u00e4t, unsere Ehrlichkeit und unsere instinktive Empathie wegzurationalisieren, anstatt das ganz Naheliegende an uns heran zu lassen und einfach zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Das das ausgerechnet mich nun immer wieder so tief ber\u00fchrt, hat vielleicht auch etwas mit der eigenen Geschichte zu tun, dem selbst nicht eingestehen wollen, der eigenen Verleugnung, dem Nichtvertrauen auf die eigenen Empfindungen, der eigenen Geringsch\u00e4tzung, dem mangelnden Selbstrespekt und der Unaufrichtigkeit sich selbst gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Ich glaube alle sollten viel naiver und viel aufrichtiger sein, dann kommt ein respektvoller und w\u00fcrdevoller Umgang miteinander, sozusagen als Bonus, ganz von alleine hinterher.<\/p>\n<p>Jetzt geh&#8216; ich mal mein Tuch auswringen \ud83d\ude42<br \/>\nHach, noch nicht ganz&#8230;<\/p>\n<p>Kurz zuvor las ich noch von einer Aktion f\u00fcr eine Notfall-Kiste f\u00fcr Kreiss\u00e4ale\/Kliniken [2]. Wenn Kinder sehr fr\u00fch, und wie es hei\u00dft &#8222;still&#8220; zur Wellt kommen, sie also leider tot geboren werden, dann ist es in vielen Krankenh\u00e4usern eine \u00e4u\u00dferst sterile Athmosph\u00e4re. Die armen W\u00fcrmchen werden fast wie medizinischer Sonderm\u00fcll behandelt, ein St\u00fcck biologischer Rest, respekt- und w\u00fcrdelos und schrecklich f\u00fcr die Eltern. Die Aktion setzt sich daf\u00fcr ein, dass in Krankenh\u00e4usern eine &#8222;Notfallkiste&#8220; f\u00fcr diese F\u00e4lle bereits steht. Sie enth\u00e4lt unter anderem mini-Kleidung, um die kleinen K\u00f6rper w\u00fcrdevoll zu bedecken, nicht zuletzt auch, um L\u00e4sionen der oft traumatischen Geburt zu bedecken und den Eltern ein w\u00fcrdiges Bild ihres Kindes zu erm\u00f6glichen. Die Danksagungen von Eltern, Hebammen und \u00c4rzt_innen sind herzzerrei\u00dfend.<\/p>\n<p>Besonders tief ber\u00fchrte mich der Brief eines Pathologen, also einer jener \u00c4rzte, der die toten K\u00f6rper meist als letzter zu sehen bekommt, bevor sie in einen Sarg gelegt und darin f\u00fcr immer verschlossen werden. Er schrieb, dass er schon seit langer Zeit, so gut er es eben mit Hilfe Freiwilliger und Spenden konnte, den kleinen Kindern, weil sie zumeist nackt und fast entmenschlicht bei ihm ankamen, etwas Kleidung und ein kleines Stofftier, einen Teddy oder \u00c4hnliches, mit auf ihren letzten Weg gab. Nie w\u00fcrde dies irgendjemand au\u00dfer ihm sehen oder bemerken, aber dennoch tat er es &#8211; selbstlos, aus Respekt und in bedingungsloser Anerkennung der W\u00fcrde dieser Kinder &#8211; ich heule und schluchze schon wieder, als ich dies schreibe.<\/p>\n<p>Gestern Abend beim Plenum im Zentrum erfuhr ich, dass ein langj\u00e4hriges Zentrumsmitglied letzte Woche nach einer Leber Transplantation verstorben ist &#8211; sein K\u00f6rper war bereits durch die lange Vorerkrankung zu sehr geschw\u00e4cht und das neue Organ wurde nicht angenommen. Den Prozess der Absto\u00dfung und den damit begonnenen Weg des Sterbens hat er bewusst \u00fcber mehrere Tage erlebt. Er hat in diesen letzten Tagen noch ganz bewusst und ausdr\u00fccklich Vorkehrungen und W\u00fcnsche f\u00fcr seine eigene Beisetzung und Trauerfeier ge\u00e4u\u00dfert. Er war vielleicht erst Ende 30!? Was f\u00fcr eine unermessliche menschliche Gr\u00f6\u00dfe muss man entwickelt haben, um soetwas auszuhalten und auch noch bewusst zu gestalten!? Er w\u00fcnscht sich f\u00fcr seine Trauerfeier ausdr\u00fccklich das Motto &#8222;Tanz unter dem Regenbogen!&#8220; und das keine Person in schwarz erscheinen solle! Bei aller Trauer, so sagte er, solle dennoch die Freude am Leben nicht verloren gehen.<\/p>\n<p>Lasst uns alle so respektvoll, wertsch\u00e4tzend und menschlich miteinander sein, wie wir nur irgendwie k\u00f6nnen&#8230; irgendwann k\u00f6nnen wir es nicht mehr und dann ist es endg\u00fcltig zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>[1] Der Spiegel, &#8222;Wie Kinder mit dem Tod umgehen&#8220;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/wie-kinder-mit-dem-tod-umgehen-a-1052122.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/wie-kinder-mit-dem-tod-umgehen-a-1052122.html<\/a><\/p>\n<p>[2] Aktion: Kliniken mit einem Notfallkistchen ausstatten, die Klinikaktion der Schmetterlingskinder<br \/>\n<a class=\"postlink\" href=\"http:\/\/www.kinderwunschhilfe.de\/index.php?id=432\" target=\"_blank\">http:\/\/www.kinderwunschhilfe.de\/index.php?id=432<\/a><br \/>\nZitat:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\"><strong><em>Juni 2009<br \/>\nEin Pathologe aus Nordrhein-Westfalen<\/em><\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201cBisher habe ich immer meine Partnerin darum gebeten, etwas f\u00fcr die ganz kleinen still geborenen Babys zu n\u00e4hen. Ich konnte sie einfach nicht nackt in die S\u00e4rge legen, denn ich fand das furchtbar traurig!Auch habe ich versucht, den meisten wenigstens einen kleinen Teddyb\u00e4ren oder ein Stofftier mit in den Sarg zu legen. Aber wir schaffen das nicht immer, denn wir haben das immer selbst hergestellt und aus Spenden finanziert. Umso froher bin ich, dass es nun endlich eine Initiative gibt, die sich dieser Problematik annimmt. Au\u00dferdem haben die betroffenen Eltern nie davon erfahren, dass ihre Kinder bekleidet den letzten Weg angetreten haben, denn wir haben sie ja erst angezogen, wenn sie hier in die Pathologie kamen und die Eltern sie nicht mehr gesehen haben.\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Spiegel online erschien k\u00fcrzlich ein sch\u00f6ner Artikel [1], der auf einf\u00fchlsame Art beschreibt, wie Kinder einen ganz wunderbaren Umgang mit etwas scheinbar so unfassbaren wie den Tod eines nahen Verwandten haben k\u00f6nnen, sodass Erwachsene nur staunen k\u00f6nnen. Der Artikel hat mich sehr bewegt und tief ber\u00fchrt und ich fragte mich warum. 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