{"id":484,"date":"2013-11-30T22:16:00","date_gmt":"2013-11-30T21:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nf.dpin.de\/was-ist-transsexualitaet\/"},"modified":"2013-11-30T22:16:00","modified_gmt":"2013-11-30T21:16:00","slug":"was-ist-transsexualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/was-ist-transsexualitaet\/","title":{"rendered":"Was ist Transsexualit\u00e4t?"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr einen Thread in einem Forum habe ich zur Beschreibung von Transsexualit\u00e4t mal folgenden Artikel geschrieben:<\/p>\n<p>Transsexualit\u00e4t (TS) ist nicht mit pathologischen St\u00f6rungen zu vergleichen. Mittlerweile sind sich alle \u00e4rztlichen Fachrichtungen eigentlich fast sicher, dass TS keine pl\u00f6tzlich auftretende St\u00f6rung eines normalen Zustandes ist. Der Gesamtzustand dieser Personen ist von Geburt an unstimmig &#8211; schon alleine der Begriff &#8222;St\u00f6rung&#8220; scheint nicht anwendbar, denn es ist im Prinzip alles in Ordnung. Personen die transsexuell sind haben eine gesunde und v\u00f6llig normale Geschlechtsidentit\u00e4t und einen, meistens, ganz normalen und gesunden K\u00f6rper. Nur passen beide leider nicht zueinander. Dies ist keine St\u00f6rung der Selbstwahrnehmung sondern in der Regel eher die korrekte Selbstwahrnehmung, die nur durch den Widerspruch mit dem K\u00f6rper als st\u00f6rend wahrgenommen wird. Der Begriff der &#8222;Geschlechtsidentit\u00e4tsst\u00f6rung&#8220; r\u00fchrt nur aus der pathologischen Beschreibung wie dem International Catalog of Deseases (ICD) und der Klassifikation von Krankheitsbildern her &#8211; dies ist das ber\u00fchmte F64.0. Dies wird von Betroffenen oft als diffamierend oder beleidigend empfunden, denn sie sind nicht krank im klassischen Sinne. Aber die Diskrepanz zwischen gef\u00fchlter Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit und biologischem K\u00f6rper sorgt f\u00fcr eine \u00e4rztliche Behandlungsbed\u00fcrftigkeit: Psycho-Therapie zur Bew\u00e4ltigung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Alltag sowie Ma\u00dfnahmen wie gegengeschlechtliche Hormone, bei MzF Epilation und schlussendlich, wenn gew\u00fcnscht, chirurgische Angleichung der Genitalien und\/oder bei FzM Amputation der Br\u00fcste. L\u00e4ge die Behandlungsbed\u00fcrftigkeit nicht vor, dann w\u00e4ren die Krankenkassen auch nicht zur Leistung verpflichtet.<\/p>\n<p>Sofern es sich wirklich um Transsexualit\u00e4t handelt, so ist dies weder krankhaft noch als solches selbst therapierbar. Aktuell geht man davon aus, dass es sich dabei um eine angeborene Veranlagung handelt und entweder durch hormonelle Einfl\u00fcsse w\u00e4hrend der Schwangerschaft und \/ oder durch genetische Varianzen ausgel\u00f6st wird. Doch wirklich belegt ist weder das eine noch das andere, weshalb es auch keinen aussagekr\u00e4ftigen Test f\u00fcr Transsexualit\u00e4t gibt. Es ist eine Sache der eigenen Empfindung und Selbstwahrnehmung, was dann auch die Sache so schwierig macht.<\/p>\n<p>Transsexualit\u00e4t ist kein rosa Pony Hof und ganz sicher nichts, wof\u00fcr man sich willentlich entscheidet. Viele TS sind schon lange bevor sie sich selbst richtig erkennen tief ungl\u00fccklich, wissen nur noch nicht warum. Sie haben Probleme im Alltag mit sozialen Kontakten oder in Beziehungen. Kommen sie langsam zu der Erkenntnis, dass K\u00f6rper und Geist\/Seele nicht zusammenpassen, fallen viele in ein riesiges depressives Loch. Das ganze Leben erscheint sinnlos und ein Ausweg ist nicht in Sicht. Nicht wenige werden in dieser Situation patholgisch depressiv oder haben sehr ernsthafte Suizidgedanken. Der erste Schritt zu einer Selbsthilfegruppe oder einem Psychologen ist schwer, vor allem je \u00e4lter die Betroffenen sind. \u00dcber etwas derart Intimes und dann auch so scheinbar Verr\u00fccktes mit einem potentiell Fremden zu sprechen, kostet viel \u00dcberwindung und Kraft.<\/p>\n<p>Ist es halbwegs sicher, dass es sich um Transsexualit\u00e4t handelt, sind die n\u00e4chsten Schritte kein St\u00fcck leichter. Irgendwann m\u00fcssen nahestehende Personen eingeweiht werden &#8211; die lange Zeit des Outings beginnt. Zun\u00e4chst vermutlich die Partnerin oder dem Partner. Nur ca. 15% der Beziehungen \u00fcberleben mittelfristig die Transsexualit\u00e4t eines Partners. Dann vielleicht gegen\u00fcber Freunden. Auch hier trennt sich oft und schnell Spreu von Weizen, die echten Freunde von den &#8222;nur Bekannten&#8220;. Nicht alle verkraften soetwas gleich gut, vor allem je nachdem, wielange sie die Person vorher schon kannten. Am Arbeitsplatz kann es auch leicht kritisch werden, je nach Branche und nat\u00fcrlich je nachdem, welche Kollegen man hat. Mobbing ist aber nicht ungew\u00f6hnlich und der \u00fcberwiegende Teil der TS verliert irgendwann, meist noch w\u00e4hrend der Transition, den alten Arbeitsplatz. Viele haben es danach schwer, wieder einen Arbeitsplatz entsprechend ihrer Qualifikation oder \u00fcberhaupt einen zu finden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Frau-zu-Mann (FzM) ist dies noch etwas einfacher, f\u00fcr fr\u00fche Mann-zu-Frau (MzF) geht es meist auch noch halbwegs gut, da sie gerade ihr Berufsleben erst beginnen. Aber f\u00fcr sogenannte Typ-2 Transsexuelle im typischen Alter zwischen 35 und 45 wird es in der Regel hart, vor allem weil Mann-zu-Frau in diesem Alter noch lange oder sogar f\u00fcr immer als Mann-zu-Frau Transsexuelle erkennbar bleiben werden. F\u00fcr Frau-zu-Mann ist es etwas einfacher, da sie in der Regel schnell ein gutes Passing erreichen. Und dann sind da noch Eltern und Familie (Geschwister etc.). Viele Familien zerbrechen daran, wenn Eltern oder andere Familienangeh\u00f6rige damit gar nicht klar kommen. Nicht wenige Transsexuelle verlieren praktisch jeglichen Kontakt zu ihren Eltern oder sogar der ganzen Familie &#8211; sehr traurig.<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr Betroffene ist dies in der Regel ein Preis, den sie zwar nicht gerne, aber bereit sind zu zahlen &#8211; denn ein Leben mit dem Widerspruch zwischen Geschlechtsidentit\u00e4t und der Realit\u00e4t, sei es k\u00f6rperlich als auch gesellschaftlich, ist f\u00fcr sie noch unertr\u00e4glicher.<\/p>\n<p>Die K\u00f6rperlichkeit ist dabei so eine Sache und wird auch unterschiedlich empfunden. F\u00fcr einige muss alles k\u00f6rperlich stimmen. F\u00fcr andere sind es nur Teilaspekte, die angeglichen werden m\u00fcssen. Und es gibt auch einige, die dann zwar formal dem anderen Geschlecht angeh\u00f6ren, also Vornamen und Personenstand ge\u00e4ndert haben, aber keine weiteren Ma\u00dfnahmen wie Hormone oder chirurgische Eingriffe w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Einige derer, die nur eine Teilangleichung w\u00fcnschen, geben unter anderem auch an, dass sie sich das zwar prinzipiell vorstellen k\u00f6nnten, ihnen aber das Risiko des Eingriffs zu gro\u00df ist. Bei Frau-zu-Mann ist es wohl am drastischsten. Die Amputation der Br\u00fcste (Mastektomie) ist der noch halbwegs harmlose Teil. Gr\u00f6\u00dfer und damit risikoreicher ist die Entfernung von Geb\u00e4hrmutter und Eierst\u00f6cken. Und noch problematischer ist der Penoid Aufbau, die Schaffung eines Penis. Es gibt eine ganze Reihe von Berichten, wo dies kl\u00e4glich gescheitert ist und bis zu 40 Operationen n\u00f6tig waren, um noch etwas zu retten. Schnell geht dabei die sexuelle Empfindsamkeit verloren und damit die F\u00e4higkeit, noch einen Orgasmus erleben zu k\u00f6nnen. Daher verzichten viele Frau-zu-Mann TS auch auf den Penoid Aufbau.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mann-zu-Frau sieht es etwas einfacher aus, ist aber auch keinesfalls risikofrei. Der Aufbau einer Scheide, Klitoris und Vagina ist nicht v\u00f6llig trivial und auch hier geht oft genug etwas schief, also Probleme bei der Operation, Fehler des Operateurs etc. Hinzu kommen normale Probleme, die auftreten k\u00f6nnen, wie z.B. Probleme beim Stuhlgang bzw. mit dem Enddarm, weil f\u00fcr die Neo-Vagina Teile der Beckenbodenmuskulatur durchtrennt werden m\u00fcssen und damit etwas Halt verloren geht. Andere leiden anschlie\u00dfend an Blasen-Inkontinenz. Und zuguterletzt ist nat\u00fcrlich nicht garantiert, dass die Empfindsamkeit v\u00f6llig hergestellt werden kann. Manche bleiben taub oder zumindest soweit unempfindlich, dass sexuelles Empfinden nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich ist oder im schlimmsten Fall v\u00f6llig ausbleibt, also Verlust der Orgasmusf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt es heute nach Transsexuellen Gesetz (TSG) und den richterlichen Entscheidungen keine Verpflichtung mehr, dass zur \u00c4nderung des Vornamens und\/oder des Personanstandes operative Ma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Damit k\u00f6nnen Betroffenen nun frei selbst entscheiden, welche Ma\u00dfnahmen sie vornehmen lassen wollen, um ihr pers\u00f6nliches Gleichgewicht zwischen Geist und K\u00f6rper herzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr einen Thread in einem Forum habe ich zur Beschreibung von Transsexualit\u00e4t mal folgenden Artikel geschrieben: Transsexualit\u00e4t (TS) ist nicht mit pathologischen St\u00f6rungen zu vergleichen. 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