{"id":84,"date":"2014-11-18T21:00:00","date_gmt":"2014-11-18T20:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nf.dpin.de\/?p=84"},"modified":"2014-11-18T21:00:00","modified_gmt":"2014-11-18T20:00:00","slug":"gendern-gender-mainstreaming","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpin.de\/nf\/gendern-gender-mainstreaming\/","title":{"rendered":"&#8222;Gendern&#8220;, Gender Mainstreaming"},"content":{"rendered":"<p>Ich halte es schon, in gewissen Grenzen, f\u00fcr wichtig, dass scheinbare Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, wie eben bspw. Geschlecht, auf breiter Ebene hinterfragt werden. Nur weil es bisher und bereits seit langer Zeit nicht getan wurde, bedeutet das doch noch lange nicht, dass das auch gut so sei? Neue M\u00f6glichkeiten zu entdecken bedeutet auch immer zuerst, neues Wissen zu schaffen. Wissen schafft den Raum, um darin etwas zu entwickeln. Wer sich neuem Wissen verschlie\u00dft, es ignoriert oder eben darauf verweist, dass es bisher ja auch ohne ging, tritt auf der Stelle. Das ist eine Form von Konservativismus. Ver\u00e4nderungen sind nicht immer leicht. Sie brauchen Zeit, sich daran zu gew\u00f6hnen. Und manchmal stellt man erst fest, dass es ein Holzweg war, wenn man ihn beschritten hat.<\/p>\n<p>Aktuell haben wir die Situation, dass Geschlecht per-se mit all seinen Auswirkungen in Sprache, Gesellschaft, Kultur etc. immernoch nur unzureichend erforscht ist. Was aber gut erforscht und historisch nachvollziehbar ist, ist der Einfluss von Sprache auf das Bewusstsein. Als krasses Beispiel sei hier vielleicht das Buch 1984 von Orwell erw\u00e4hnt. Es ist ein altbekannter Mechanismus, dass durch gezielte Ver\u00e4nderung der Sprache, das (Selbst-)Bewusstsein aller die Sprache Anwendenden beeinflusst werden kann. Wenn ganze Begriffe fehlen, um etwas zu beschreiben, wird bald das Bewusstsein f\u00fcr das zu beschreibende aufh\u00f6ren. Dies sind Mechanismen, die immer wieder vor allem in<br \/>\ntotalit\u00e4ren Systemen zu finden sind. Die werden das nicht ohne Grund machen.<\/p>\n<p>Ich denke also schon, dass es absolut sinnvoll ist, scheinbar Selbstverst\u00e4ndliches stetig zu hinterfragen und dann ggf. auch mal neue Wege zu beschreiten. Vielleicht sind es Holzwege und st\u00f6ren mehr, als das sie helfen. Aber vielleicht kommt ja doch etwas Gutes dabei heraus? Wir w\u00fcrden es nur nie erfahren, wenn sich alle an den Status-Quo klammern, aus Angst vor Ver\u00e4nderung oder aus schierer pers\u00f6nlicher Faulheit, sich an etwas Neues zu gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Es gibt Ver\u00e4nderungen, die kann man kleinschrittig, graduell und schleichend machen. Eine geschlechtliche Gleichstellung der Sprache geh\u00f6rt aber leider nicht dazu. Wenn man dieses Thema anfassen will, wird es immer eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung sein. Die aktuell laufenden Diskussionen und Bem\u00fchungen dazu treiben, ohne Frage, auch einige recht irrwitzige Bl\u00fcten. Doch so funktioniert Diskurs in einer offenen pluralistischen Gesellschaft nunmal. Da gibt es auch immer Extrempositionen und das muss man aushalten k\u00f6nnen. Man muss sie sich bestimmt nicht zu eigen machen, aber im Rahmen eines Diskurses zulassen und versuchen zu verstehen, um anschlie\u00dfend zwischen allen einen tragf\u00e4higen Konsens zu finden.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gender_Gap_%28Linguistik%29\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Gender-Gap<\/a>, also den Unterstrich, halte ich pers\u00f6nlich zur Zeit f\u00fcr einen der besten Vorschl\u00e4ge dazu, vor allem auch dessen Hintergrund, aus WikiPedia:<br \/>\n&#8220;<br \/>\nDer Gender Gap soll ein Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentit\u00e4ten, auch jener abseits des gesellschaftlich hegemonialen Zweigeschlechtersystems sein. In der deutschen Sprache w\u00e4re dies sonst nur durch Umschreibungen m\u00f6glich. Die Intention ist, durch den Zwischenraum einen Hinweis auf diejenigen Menschen zu geben, welche nicht in das ausschlie\u00dfliche Frau-\/Mann-Schema hineinpassen oder nicht hineinpassen wollen, wie Intersexuelle oder Transgender.<br \/>\n&#8220;<\/p>\n<p>Das &#8222;Gap&#8220;, also die L\u00fccke, ist dann auch in der gesprochenen Sprache spannend. Durch den Unterstrich soll eben auch eine verbale L\u00fccke dargestellt werden, die in der Aussprache ber\u00fccksichtigt werden soll, bspw. Lehrer&lt;kurze pause&gt;innen. Das ist eine ganz spannende Variante. Auf jeden Fall sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, aber wer wei\u00df?<\/p>\n<p>Eines hat die ganze Diskussion darum doch aber bereits heute gebracht: Es machen sich jetzt viel mehr Menschen Gedanken dar\u00fcber, als zuvor. Immerhin, frei nach dem alten Marketing Spruch, auch schlechte PR ist PR. Durch die teils sehr weit gehenden Vorschl\u00e4ge wurde eine breite Diskussion ausgel\u00f6st, die auf das sprachliche Gender Problem hinweist. Von der Sprache kommt man aber dann auch wieder ganz schnell zu weiteren Problemen, die rund um das Thema Geschlecht anfallen. Ich denke wir brauchen mehr davon. Bisher war die Gender-Debatte dominiert von der Gleichstellungsdiskussion, also die Aufhebung der Ungleichbehandlung von Frauen gegen\u00fcber M\u00e4nnern. Die Feminismus Bewegung hat daf\u00fcr gesorgt und dieses Thema in die breite \u00d6ffentlichkeit gebracht &#8211; zu Recht.<\/p>\n<p>Die erste Welle der Diskussion um die Natur von Geschlecht entstand im Rahmen der ersten gro\u00dfen Homosexuellenbewegungen &#8211; Stonewall, sozusagen der Ursprung der CSD Bewegung. Seinerzeit wurde auch der Geschlechterbegriff in Frage gestellt, da sich Homosexuelle ganz offenbar entgegen ihres Geschlechts verhalten w\u00fcrden. Heute sieht<br \/>\nman dies auch wieder deutlich differenzierter und die Homosexuellen haben sich aus der Gender Diskussion weitgehend verabschiedet. Es ist nun an uns, das dichotome Geschlechtermodell zu hinterfragen und durch das Hinterfragen mit dazu beizutragen, dass sich das \u00f6ffentliche Bewusstsein ver\u00e4ndert. Ein Ansatz dazu ist die Sprache. Aber es ist nur einer von vielen. Mit Sprache alleine werden wir nicht alle unsere Probleme l\u00f6sen k\u00f6nnen. Aber vielleicht k\u00f6nnen wir dadurch dann besser<br \/>\ndar\u00fcber sprechen und unsere Anliegen besser transportieren, an jene Stellen, an denen Weichen auch f\u00fcr uns gestellt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich halte es schon, in gewissen Grenzen, f\u00fcr wichtig, dass scheinbare Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, wie eben bspw. Geschlecht, auf breiter Ebene hinterfragt werden. 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