Snowden, der Film und ich…

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Heute Abend habe ich den Film Snowden von Oliver Stone im Kino gesehen. Wirklich Neues habe ich darin nicht erfahren, ich kannte die Geschichte schon recht gut, hatte auch den Dokumentarfilm Citizen Four gesehen etc. Ich bin ein sowohl politisch interessierter Mensch, ein politischer Mensch, aber eben auch eine jener Computer Geek Personen die weiss, welche technologischen Dinge damals mit PRISM, XKeyScore und den ganzen anderen Programmen offenbar wurden. Ich weiss, dass dies keine Hirngespinste sind. Ich weiss, welche Tragweite solche Programme haben und was diese Information in den falschen Haenden anrichten kann. Ich weiss, was Informationen anrichten koennen. Ich kenne die Technologien und Techniken, von den meisten habe ich ihre Entwicklung recht hautnah mitbekommen. Ich kenne die Hintergruende – nicht alle, aber genug, um die Zusammenhaenge zu verstehen.

Als damals, das ist nun bereits drei Jahre her, Snowden seine Veroeffentlichungen begann, waren wir alle entsetzt und geschockt. Wie konnte soetwas in modernen Demokratien mit Buergerrechten und Menschenrechten geschehen? Wie konnte soetwas vor unseren Augen geschehen, ohne das wir oder zumindest unsere politisch und demokratisch gewaehlten Vertreter_innen dies aufdecken und dagegen vorgehen? Ein grosser Skandal!

Es wurde rueckhaltlose Aufklaerung gefordert. Es sollten Regeln und Gesetze geschaffen werden, auf das dies nie wieder vorkomme!

Heute, drei Jahre nach dem Skandal, erinnert sich kaum noch jemand daran. Alles ist wieder ruhig, Business as usual. Die Geheimdienste sind weiterhin weitgehend unkontrolliert und sammeln alle Daten, derer sie nur habhaft werden koennen. Die Bevoelkerug ist ignorant wie eh und je, “aber ich habe doch nichts zu verbergen!”. Unsere Volksvertreter beginnen nun sogar bereits mit der Legalisierung der Datensammelleidenschaft der Geheimdienste! Es folgen aus dem Skandal also nicht rechtliche Einschraenkungen, sondern ihre Legitimation.

Wir, die Buerger, haben uns mal wieder fuer dumm verkaufen lassen. Die Politik hat uns zur Zeit des Skandals mit butterweichen Beschwichtigungen ruhig gestellt und wir sind prompt darauf reingefallen. Heute bekommen wir die Quittung, wir werden verschaukelt, fuer die innere Sicherheit und die unserer ach so geliebten Verbuendeten.

Je weiter die Technisierung unseres Alltags voran schreitet und je weniger die meisten Menschen von diesen Technologien verstehen, die sie jeden Tag benutzen, desto mehr spielen wir alle diesen Machenschaften in die Haende, bis wir eines Tages fuer unsere Politik voellig transparent werden. Dann koennen wir uns auch die Wahlen sparen, denn dann sind wir durch diese Transparenz jedes einzelnen derart manipulierbar, dass eine Wahl keine Wahl, sondern ein Schauspiel und Farce wird. Alle Macht ging dann einmal vom Volke aus, dann wird sie von Wissens-Macht-Eliten ausgehen.

Als Informatikerin, als Geek und Technologieliebhaberin fuehle ich mich schuldig. Ich fuehle mich mitschuldig an der Entstehung und Verbreitung dieser antidemokratischen Uerberwachungssysteme. Ich habe sie zwar nicht selbst implementiert, doch ich bin Teil dieses Komplexes, ich arbeite darin und daran und indem ich dies tue, trage ich indirekt einen Teil dazu bei. Heute Abend fuehle mich schlecht und hilflos.

Ich verbeuge mich in groesster Ehrfurcht vor Edward Joseph Snowden, vor seiner Courage, seinem Mut und seinem enormen Opfer, dass er fuer uns, uns alle auf der ganzen Welt gebracht hat. Edward, should you read this, you did the absolute right thing and I sincerely hope that you can some day, hopefully very soon, lead a proud and happy life. Thank you. I will always be idebted to you.