Hormone

Einer der meist geäußerten Wünsche von Trans* Menschen ist der Wunsch nach gegengeschlechtlichen Hormonen. Die sogenannte „Hormon Ersatz Therapie“ (HET) oder auf Englisch „Hormone Replacement Therapy“ (HRT) bedeutet, dass die körpereigenen geschlechtsspezifischen Hormone durch die jeweils anderen ersetzt werden.

Was passiert bei der HET/HRT?

Dies führt in der Folge dazu, dass sich der Körper in der jeweiligen Richtung zu entwickeln beginnt. Für trans* Frauen bedeutet das also eine Verfeinerung des Hautbildes, Umverteilung des Körperfetts und vor allem Wachstum der Brüste. Bei trans* Männern bedeutet es eine Zunahme der Körperbehaarung, vor allem einsetzender Bartwuchs, Stimmbruch, Umverteilung des Körperfetts und, je nach Veranlagung, teilweiser Verlust der Kopfhaare. Die Fruchtbarkeit wird dadurch ebenfalls eingeschränkt oder geht sogar zeitweise völlig verloren. Die meisten Effekte sind, gerade zu Anfang, reversibel. Jedoch geht beispielsweise ein einsetzende Stimmbruch nicht wieder zurück, ein beginnender Bartwuchs bleibt bestehen, ausgebildete Brüste werden wieder etwas kleiner, verschwinden aber nicht wieder völlig.

Vor dem Beginn einer HET sollte man sich also halbwegs klar darüber sein, dass dadurch bleibende Veränderungen hervorgerufen werden. Wie stark diese ausfallen, ist individuell stark unterschiedlich. Die größten Veränderungen finden in den ersten zwei bis drei Jahren statt.

Kann ich das nicht selbst machen?

Nein! Egal wie groß der Druck ist, bitte nicht selbst experimentieren, insbesondere solange die „normalen“ Wege noch nicht ausgeschöpft wurden. Hormone sind keine Drops und können erhebliche Nebenwirkungen haben, die man selbst oft erst bemerkt, wenn es schon (fast) zu spät ist. Fast alle künstlich zugeführten Hormonpräparate verursachen eine mehr oder weniger starke Förderung der Anfälligkeit für Thrombosen, also Blutverklumpungen. Das kann Infarkte, Schlaganfälle und allerlei wirklich bösartige Komplikationen verursachen. Unter ärztlicher Kontrolle ist dies gut in den Griff zu bekommen, doch in Eigenmedikation merkt man dies meist erst, wenn es bereits zu spät ist. Mir sind persönlich Fälle bekannt, die nur um Haaresbreite nicht tödlich verlaufen sind. Das muss alles nicht passieren, doch es gibt ein Risiko und im Fall der Fälle wird es wirklich sehr unerfreulich.

Einige experimentieren auch mit pflanzlichen Hormon-Ersatzprodukten, z.B. aus Soja, sog. Soja-Isoflavone oder anderen pflanzlichen Hormon-ähnlichen Präparaten, die meist für cis Frauen zu Beginn der Menopause angeboten werden. Diese Präparate haben für trans* Frauen praktisch keine Wirkung, da sie viel zu niedrig dosiert sind und zudem auch noch einen falschen Wirkmechanismus haben. Sie lindern bei cis Frauen nur die Entzugserscheinungen durch das Ausbleiben der körpereigenen Hormonproduktion, lösen aber nicht die Funktion aus, wie die richtigen Hormone. Zudem sind die pflanzlichen Produkte oft vergleichsweise hoch mit Fremdstoffen belastet, die bei der einzunehmenden Menge auf Dauer schädliche Wirkungen haben können.

Also wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, bitte keine Selbstmedikation versuchen.

Wie komme ich an die HET/HRT?

Nun, das ist leider nicht ganz einfach, obwohl es einfach sein könnte.

Es ist nicht eindeutig geregelt, wann eine gegengeschlechtliche Hormonersatztherapie (HET, engl. HRT) begonnen werden kann. Es gibt zwar Richtlinien, doch dies sind eben „nur“ Richtlinien und keine festen Regeln. Das ist zwar gut, weil man damit dann auch nicht daran zwingend gebunden ist, doch es hat auch den Nachteil, dass man sich nicht bindend darauf berufen kann. Man ist weitgehend dem Wohlwollen der Ärzt_innen ausgeliefert.

In der Regel wird ein_e begleitende_r Psycholog_in, Psychotherapeut_in oder Psychiater_in eine sogenannte Indikation für die Behandlung ausstellen. Die Indikation sagt im Prinzip aus, was der_die Therapeut_in als sinnvolle weitere Behandlung betrachtet – dies kann also zum Beispiel der Beginn der HET sein.

Die Zeiträume, die bis zum Erhalt der Indikation verstreichen können, hängen damit auch davon ab, wann der_die begleitende Therapeut_in dies für sinnvoll und angebracht erachtet. Zudem hängt es davon ab, wen man fragt und wo bzw. wie man krankenversichert ist. Letztlich ist das nicht nur eine medizinische, sondern auch eine finanzielle Frage. Hormone sind noch vergleichsweise günstig, doch viele trans* Menschen streben früher oder später auch deutlich teurere Maßnahmen an, die dann auch von der Krankenkasse zu bezahlen sein können, weshalb die Kassen sicherstellen wollen, dass dieser Weg für die Patient_in unabdingbar und ohne, womöglich günstigere, Alternative ist.

Private Krankenkassen sind recht pragmatisch. Lange Therapien sind auch kostspielig und werden daher oft nicht gefordert. Für einige reicht schlicht die Verschreibung durch eine_n Ärzt_in – ohne Gutachten, Indikation oder Diagnose. Gerade bei den Privaten sollte man also am besten nachfragen, welche Voraussetzungen für welche Maßnahmen erfüllt sein müssen.

Bei den gesetzlichen Versicherungen wird es ein klein wenig komplizierter. Wie gesagt sind Hormone noch recht günstig, weshalb es dafür noch zwei Wege gibt.

Der erste, noch einfache, Weg besteht darin, eine_n Ärzt_in zu finden, die_der die Hormone verschreibt. Dies wird jedoch fast keine_r ohne Weiteres machen, da eine gegengeschlechtliche Hormonbehandlung keine Standard-Therapie ist und die dafür verwendeten Medikamente dann für einen sogenannten „Off-Label-Use“ verwendet werden, also eine Behandlung, für die diese Medikamente nicht zugelassen sind. Für eine solche Behandlung ohne triftigen Grund können Ärzt_innen in Haftung genommen werden und werden sich daher absichern wollen. Die Absicherung wäre in diesem Fall dann die Diagnose und Indikation durch eine_n begleitende_n Therapeut_in. Verschreiben kann dann die Hormone praktisch jede_r Ärzt_in, auch der_die Hausärzt_in. Es ist allerdings zu empfehlen, zumindest eine endokrinologische Erstuntersuchung bei eine_r Endokrinolog_in durchführen zu lassen, um den Allgemeinzustand und vor allem Risikofaktoren abklären zu lassen.

Die Dauer der psychotherapeutischen Begleitung bis zur Indikation hängt dann vor allem von der betreffenden Person und dem_der Therapeut_in ab. Wenn alles glatt läuft, kann es schon nach ca. 3 Monaten losgehen, mir sind Fälle bekannt, bei denen Therapeut_innen die Indikation bereits nach dem zweiten Termin ausstellten, in anderen Fällen dauerte es mehrere Monate.

Bei dieser Variante bleibt also zunächst die Krankenkasse außen vor. Sie käme aber dennoch sofort ins Spiel, wenn weitere Maßnahmen wie Bart-Epilation, Hilfsmittel wie Perücken oder Binder oder geschlechtsangleichende Operationen anstehen.

Die zweite Variante besteht darin, von vorne herein mit der Krankenkasse zusammenzuarbeiten, diese zu informieren und nach den speziellen Behandlungsrichtlinien und Voraussetzungen zu fragen. Viele gesetzliche Krankenkasse werden dann den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) beauftragen den Fall zu prüfen und die Schritte und Voraussetzungen festzulegen. In meiner Gegend (Südwestfalen) ist das so, praktisch alle trans* Patient_innen müssen fast alles mit dem MDK abklären und genehmigen lassen – auch bereits den Beginn der HET.

Für die Begutachtung und Behandlung gibt es, mittlerweile etwas veraltete, Richtlinien:

http://www.mds-ev.org/media/pdf/RL_Transsex_2009.pdf

Auf Seite 18 im Kapitel „2.5.1 Arzneimittel / gegengeschlechtliche Hormonbehandlung“ ist der Ablauf bis zur HET beschrieben. Im schlimmsten Fall, diese Auslegung kenne ich aus meiner Praxis, kann dies auf bis zu zwei Jahre therapeutische Begleitung hinauslaufen.

Zitat aus den Deutschen Richlinien:

Vor der Hormonbehandlung (Mann – zu – Frau und Frau – zu – Mann) sind folgende Voraussetzungen wesentlich:

  1. Die Diagnose einer manifesten Geschlechtsidentitätsstörung wurde durch einen Psychiater / Psychotherapeuten ausreichend anhand der diagnostischen Kriterien überprüft und gesichert.
  2. Komorbiditäten (insbesondere psychische) sind ausreichend stabilisiert bzw. ausgeschlossen.
  3. Die Behandlung beim Psychiater / Psychotherapeuten wurde nachweisbar in ausreichender Intensität und Dauer durchgeführt (in der Regel mindestens 12 Monate). Der Therapeut ist zu dem klinisch begründeten Urteil gekommen, dass die genannten Ziele der psychiatrisch – psychotherapeutischen Behandlung erreicht sind.
  4. Der Patient hat das Leben in der gewünschten Geschlechtsrolle erprobt (Alltagstest in der Regel mindestens 12 Monate).
  5. Ein krankheitswertiger Leidensdruck liegt vor.
  6. Voraussetzungen und Prognose für die geplante Hormonersatztherapie sind positiv. Hierzu gehören insbesondere auch die Abwägung von Kontraindikationen und der Nachweis, dass der / die Versicherte über Nebenwirkungen und Risiken der Hormonersatztherapie umfassend aufgeklärt wurde.

Im Wesentlichen sind also die Voraussetzungen, eine gesicherte Diagnose Transsexualismus (F64.0), mindestens 12 Monate Begleitung und mindestens 12 Monate Alltagserprobung. Die Begleitungszeit und die Zeit zur Alltgserprobung können aber überlappend oder sogar der gleiche Zeitraum sein, d.h. es addiert sich nicht unbedingt zu 24 Monaten. Außerdem steht hier überall „in der Regel“. Dies sind Richtlinien und keine festen Regeln. Es gibt also einen Ermessensspielraum der Kassen und des MDK.

Hier wieder das Beispiel aus meiner Praxis in Südwestfalen, unser MDK besteht bei den meisten Fällen mindestens auf die vollen 12 Monate begleitete Alltagserprobung, bevor er einer HET zustimmt. Andere Kassen und MDK können anders handeln. Die Alltagserprobung in den letzten Jahren in die Kritik geraten und wird heute teilweise auch lockerer und der Lebenssituation der Betroffenen angepasst ausgelegt.

Sophinette Becker, eine der Autorinnen der sogenannten Deutschen „Standards“, die fast 1:1 in den MDS Richtlinien übernommen wurden, schreibt in einer Erläuterung zu einem Gutachten dazu:

Die „Standards“ (an denen ich maßgeblich mitgewirkt habe) sind vielmehr
formalisierte Rahmenbedingungen, die die konkrete Beurteilung des
Einzelfalls keineswegs ersetzen. Im Bewusstsein dessen haben die
Verfasser der „Standards“ fast in allen formalen Angaben den Zusatz „in
der Regel“ hinzugefügt und darauf hingewiesen, dass es begründete
Abweichungen geben kann.

Ich plädiere immer und überall für individuelle Lösungen. Die
„Standards“ wurden auch mit dem Ziel verfasst, dass nicht jede Kasse und
jeder MdK immer neue und höhere Forderungen stellt. In der Praxis leiden
die meisten Transsexuellen mehr unter den MdKs als unter den Standards.

Und dann?

Seltsamerweise ist die Hormonersatztherapie eigentlich eine Standard-Therapie für Patient_innen, deren natürliche Produktion geschlechtsspezifischer Hormone ausgefallen ist – bei cis Frauen z.B. nach der Menopause, bei cis Männern nach einer Orchiektomie (Kastration) z.B. bei Hodenkrebs. Bei der gegengeschlechtlichen HET geraten viele Ärzte dann doch ins Schlingern. Als erste Regel würde ich empfehlen, auf das eigene Körpergefühl zu hören und zu vertrauen! Wenn es einem nicht gut geht, dann stimmt auch etwas nicht. Das Ziel kann und darf es nicht sein, dass sich der Gesamtzustand verschlechtert. Das Ziel ist es doch gerade, dass es einem besser geht! Wenn sich also etwas nicht gut anfühlt, dann dies auf jeden Fall sofort dem_der Ärzt_in mitteilen und gemeinsam nach Alternativen suchen.

Ein oft angewendetes Behandlungsschema beginnt mit niedrig dosierten gegengeschlechtlichen Hormonen und gleichzeitig einem Blocker der körpereigenen geschlechtsspezifischen Hormone.

Persönliche Erfahrungen

Es ist eine Gratwanderung, wie sehr ich hier ins Detail gehen möchte, oder eben auch nicht. Ich erlebe es immer wieder, dass persönliche Schilderungen als eine Art Fahrplan für alle missverstanden werden, daher betone ich hiermit ausdrücklich, dass folgendes meine persönlichen Erfahrungen sind und eben keine Anleitung. Das kann sich bei anderen alles völlig anders verhalten. Dennoch möchte ich dies hier öffentlich machen, da auch Ärzt_innen immer wieder vor dem Problem stehen wenig Erfahrung zu haben und Erfahrungsberichte dann wertvolle Hilfen sein können. In diesem Sinne möchte ich meinen Bericht hiermit hinzufügen.

Einstieg, Antiandrogene

Vor gegengeschlechtlichen Hormonen habe ich mit Spironolacton und Finasterid als Antiandrogene begonnen. Spironolacton ist eigentlich ein Diuretikum, also zur Förderung der Waserausscheidung, hat jedoch in höheren Dosierungen (200-300mg pro Tag) eine antiandrogene Wirkung. Diese ist anders als das hierzulande oft verwendete Cyproteronacetat (CPA, Androcur), aber dennoch wirksam. CPA ist in anderen Ländern, z.B. den USA, nicht zugelassen und dort werden trans* Frauen z.B. mit Spironolacton behandelt. Spiro ist allgemein gut verträglich, man sollte dann etwas mehr trinken und regelmäßig den Kalium Spiegel im Blut kontrollieren lassen. Das primäre Testosteron wird davon kaum beeinflusst, jedoch die vor allem wirksamen daraus im Körper gebildeten Derivate werden reduziert. Als Weiteres nahm ich Finasterid zur Verminderung des Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt des Testosterons und sehr wirksames Androgen. DHT ist hauptverantwortlich für den typisch männlichen Haarausfall, da es sich in den Haarwurzeln ansammelt, verklumpt und diese dadurch absterben. Vor der Einnahme von Finasterid sollte ein Arzt überprüfen, ob eine bestimmte Prostata Veranlagung vorhanden ist, dies ist mir einem einfachen Bluttest nachprüfbar, sog. PSA Test. Tipp: Finasterid 5mg Tabletten verschreiben lassen und diese selbst halbieren. Die 5mg sind viel billiger als 2mg und 1 x 2mg pro Tag reichen völlig aus.

Sowohl Spiro also auch Finasterid habe ich sehr gut vertragen und merkte, außer leicht erhöhtem Harndrang, keine nennenswerten Nebenwirkungen. Wünschenswerte Wirkungen waren geminderte Aggressivität, geminderte Libido, weniger Hautunreinheiten und allgemein ein besseres Wohlbefinden, was eigentlich das beste war.

Östrogene

Etwa ein dreiviertel Jahr nach Beginn der Antiandrogene war mir klar, dass ich nie wieder Testosteron haben wollte. Also ließ ich die Keimdrüsen operativ entfernen und begann mit Östrogenen. Da ich die künstliche Zufuhr von Hormonen für den Rest meines Lebens werde machen müssen, wollte ich auf jeden Fall etwas transdermales, also über die Haut und nicht als Tablette. Oral (durch den Mund) hat den Nachteil, dass alles was oral eingenommen wird, zuerst durch die Verdauung und dann durch die Leber muss. Damit wird direkt eine Menge der Stoffe verdaut, also nicht mehr wirksam. Die Abbauprodukte sind teils auch nicht so schön, der Abbau belastet die Leber etc. Über die Haut ist das also viel besser.

Da ich eher faul bin, wollte ich etwas Praktisches und landete bei Pflastern, genauer gesagt Estradot 100. Dies sind etwa 10cm² kleine Folien, die auf die Haut geklebt werden. Der Vorteil der Pflaster ist auch, dass sie eher kontinuierlich den Wirkstoff abgeben und nicht wie eine Tablette auf einen Schlag. Im Netz kann man auch zu den verschiedenen Präparaten die Konzentrationskurven finden. Die Pflaster werden dann zweimal pro Woche gewechselt, also zwei Pflaster pro Woche. Ich mache das zur Zeit Dienstag Früh und Freitag Abend, hat sich einfach so ergeben.

Bei meinen ersten Nachuntersuchung bei einer Endokrinologin (Endokrinologikum Bochum) hatte ich damit an dem Tag der Untersuchung einen Blut Spiegel von 110pg/mL. Für eine Frau in meinem Alter (zu der Zeit 44) ein guter Wert, etwas oberhalb des Durchschnitts. Ich fühlte mich auch wohl, die Wechseljahresbeschwerden nach den Testosteronwegfall waren weg.

Veränderungen, the good

In den folgenden Monaten veränderten sich einige Dinge. Grundsätzlich waren alle diese Veränderungen bei mir sehr schleichend, fast nichts hat sich innerhalb kurzer Zeit verändert. Einzig das Anschwellen der Brustwarzen und der Beginn der Brustgewebsbildung setzte in vergleichsweise kurzer Zeit ein – im Nachhinein kann ich aber auch nicht mehr sagen, wie lange das wirklich brauchte, um spür- und sichtbar zu werden, wenige Wochen vielleicht? Alles danach entwickelte sich eher langsam und unmerklich.

Das alles ist nun etwa zwei Jahre her und daher berichte ich also nun von dem Stand zwei Jahre nach Beginn. Ich muss dazu vorwegschicken, dass ich mit 1,86m Größe und 67kg Gewicht eher lang und schlank bin. Allgemein habe ich den Eindruck, dass die Körperform sich etwas verändert hat. Etwas mehr Oberschenkel, etwas weniger Taille (also weniger Umfang). Allgemein haben die Muskeln stark nachgelassen, sie sind nicht mehr markant sichtbar, die Körperspannung / Muskelspannung ist viel geringer. Die Haut am gesamten Körper ist deutlich weicher geworden. Das Bindegewebe hat deutlich nachgelassen, d.h. es „schlabbert“ nun alles ein wenig. Die Körperbehaarung wächst langsamer und vielleicht auch ein wenig weniger. Die Körperhaare sind etwas dünner. Freund_innen sagen, mein Gesicht sei runder, weiblicher geworden. Ich habe weniger Probleme mit Pickeln im Gesicht, weg sind sie leider aber nicht.

Allgemein habe ich den Eindruck, dass auch mein Immunsystem nun etwas anders arbeitet. Dies merke ich vor allem auf zwei Arten. Zum einen hatte ich zuvor immer mal wieder mit etwas Neurodermitis zu tun, im Prinzip seit der Pubertät. Trockene und dann in der Folge teils auch leicht wunde und juckende Hautstellen. Insbesondere im Winter tauchten immer wieder Flecken auf, zunächst an den Augenlidern, dann am Hals und teils auch am Rücken. Das hat sich nun auf ein paar wenige und viel kleinere Stellen reduziert. Neurodermitis ist ein Autoimmun-Problem, hat also etwas mit dem Immunsystem zu tun. Das andere, dass ich zu merken meine ist, dass z.B. Erkältungen anders verlaufen. Zuvor haben mich, wenn mich denn eine erwischt hat, Erkältungen wirklich leiden lassen. Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein, Lustlosigkeit, einfach ekelig und das alles eben bereits bei einer Erkältung. Heute bin ich auch mit einer Erkältung recht auf der Höhe und leistungsfähig. Ich merke zwar, dass da etwas ist, aber es wirft mich nicht mehr so arg aus der Bahn. Ich würde also sagen, ich bin bzgl. Erkrankungen stabiler geworden.

Was viele wohl interessieren wird, Brustwachstum? Ja, aber eher mäßig. Ich habe mit 44 angefangen, da kann man nicht mehr viel erwarten, doch es tat sich schon etwas. Zudem bin ich eher der schlanke Typ, was wieder für weniger Brust sorgt. Ich komme heute gerade mal auf ein knappes A-Körbchen, was mir etwas zu wenig ist, dazu gleich mehr.

Immer wieder liest man auch von fast wundersamer Haarvermehrung und großartigem Wachstum. Nun, auch ich hatte zuvor in der Mitte etwas lichtere Haarpracht bekommen, auch etwas Geheimratsecken. Das ist zwar inzwischen ein klein wenig besser geworden, aber Wunder habe ich dabei keine erlebt.

Also alles in allem bisher recht positiv. Ich habe keine Schwierigkeiten mit der Hormonersatztherapie (HET), aber es gibt natürlich auch Schattenseiten, die ich nicht verschweigen möchte.

Veränderungen, the bad and the ugly

Ich kann es nicht belegen, aber ich würde schätzen, dass ich nur noch halb soviel Kraft und körperliche Ausdauer habe, als zuvor. Das ist schon teils etwas ernüchternd. Was ich vorher noch erreichen konnte, wird jetzt wirklich hart oder geht sogar gar nicht mehr. Zudem komme ich jetzt ganz hart an körperliche Leistungsgrenzen. Wo vorher immer noch ein bisschen etwas ging, gibt es heute ganz klare Grenzen. Das macht mir manchmal schon fast etwas Angst. Was mir auch auffällt ist, dass ich viel leichter blaue Flecke als zuvor bekomme. Ein leichter Bums, erst sieht man nichts, doch zwei Tage später ist die Stelle auf einmal dunkel oder gelb. Also etwas mehr aufpassen.

Ein ganz blöder Effekt sind die brüchigen Fingernägel, das ist wirklich sau doof. Damit hatte ich vorher nie zu tun, die waren wie flexibler Kunststoff. Jetzt sind sie teilweise eher wie Hartplastik, brechen bei einem ungeschickten Stoß einfach ab oder reißen ganz blöd ein. Immer mal wieder habe ich Längsrisse, also von vorne in Richtung Nagelbett. Das ist super fies, da es ewig dauert, bis das wieder ausgewachsen ist, das reißt immer wieder ein! Und man bleibt immer überall damit hängen, ich hasse das!

Es gibt also auch eine Reihe Schattenseiten.

Änderung HET

Bei den Nachuntersuchungen meiner Hormonwerte gingen diese mit 2 Pflastern pro Woche kontinuierlich weiter nach unten, erst etwa 76pg/mL, dann 54pg/mL. Zudem hatte ich den Eindruck, etwas Energie eingebüßt zu haben, also allgemein Energie über den Tag. Nach etwas Recherche kam ich darauf, dass Progesteron, ein Gestagen, vielleicht abhelfen könnte. Außerdem soll es auch beim Brustaufbau etwas unterstützen und die waren mir ja ohnehin noch etwas zu klein. Also bat ich meinen lieben Hausarzt um Progestan, ein Progesteron Präparat. Die Kapseln haben 100mg pro Stück. Progesteron soll zyklisch genommen werden, eigentlich zur Unterstützung des weiblichen Zyklus. Doch man vermutet auch, dass die Rezeptoren des Progesterons für eine dauerhafte Anregung nicht geeignet sind, d.h. sie stumpfen ab. Obwohl ich also keinen Zyklus habe, nehme ich sie nun dennoch zyklisch, 12 Tage 2 x am Tag 100mg, dann 16 Tage Pause, macht 28 Tage Zyklus. Da ich sie nur 12 Tage einnehme und danach 16 Tage Pause mache, finde ich hier auch Tabletten in Ordnung, es gäbe aber auch Progesteron Gel Präparate.

Es hat auch eine leicht verbessernde Wirkung, meine ich, weshalb ich zunächst dabei bleibe.

Der gesunkene Estradiol Spiegel machte mir aber etwas Gedanken. 50pg/mL ist für eine Frau meines Alters OK, das ist, je nach Zyklus Stadium, untere Grenze. Doch ich bin, was meine körperliche Entwicklung betrifft, sozusagen nicht 44, sondern im zweiten Jahr meiner Pubertät, da könnte es schon etwas mehr sein? Daher habe ich mir zusätzlich Gynokadin Gel verschreiben lassen, von dem ich nun Abends noch einen Hub auf den Armen verteile. Das führte nun dazu, dass, so meine ich es zumindest zu spüren, die Brüste wieder einen kleinen Schubs bekommen haben und ich in den letzten vier Wochen knapp 1cm Umfang zugelegt habe. Da geht noch was!

Mein nächster Plan ist, weil offenbar hormonelle Schwankungen „anregend“ auf verschiedene Funktionen sein können, noch etwas mehr in Richtung des weiblichen Zyklus zu probieren. Mit Ende des Progesteron Zyklus werde ich auch das abendliche Gynokadin für 5 Tage aussetzen.